|



Die Welt des späten
Mittelalters (1250 - 1400)
Das Ende der Luxemburger
und der Aufstieg der Habsburger Kaiserdynastie (1400 - 1517)
Die Reformation von
Luthers Anschlag der 95 Thesen bis zum Wormser Reichstag (1517 - 1521)
Der Dreißigjährige Krieg
(1618 - 1648)
Vom Westfälischen Frieden
(1648) bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Großen (1740)
Der Aufstieg Preußens zur
europäischen Großmacht (1740 - 1763)
Die Französische
Revolution bis zum Ende der Diktatur Robespierres (1789 - 1794)
Deutschland in der Zeit der
Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons (1789 - 1815)
Restauration und
Revolution (1815 - 1830)
Monarchie und Bürgertum (1830
- 1847)
Die Revolution von
1848/49
Von der gescheiterten
Revolution 1848 bis zur Gründung des Deutschen Reiches 1871
Die Innen- und Außenpolitik
Bismarcks (1871 - 1890)
Das Deutsche Kaiserreich
von 1890 bis zum Ausbruch der Ersten Weltkriegs 1914
Die Industrielle
Revolution in England und Deutschland (1780 - 1914)
Europäischer
Kolonialismus und Imperialismus (1520 - 1914)
Der Erste Weltkrieg (1914 -
1918)
Der Weg zur Weimarer
Republik 1918 - 1919
Der Kampf um die Staatsgewalt
in der Weimarer Republik (1919 - 1933)
Die Machtübernahme der NSDAP
und die Errichtung der Diktatur Hitlers (1933 - 1939)
Der Zweite Weltkrieg (1939
- 1945)
Der Weg in die Teilung
Deutschlands (1945 - 1949)
Der Kalte Krieg: Vom
Kriegsende 1945 bis zum Bau der Berliner Mauer 1961
Die Ära Adenauer (1949 -
1963)
Die Kanzlerschaft Ludwig
Erhards 1963 - 1966
Kalter Krieg Teil 2: Von
der Kubakrise 1962 bis zur Auflösung der Sowjetunion 1991
Die Zeit der Großen
Koalition 1966 - 1969
Die Ära Brandt (1969 - 1974)
Die Kanzlerschaft Helmut
Schmidts (1974 - 1982)
Die Kanzlerschaft Helmut
Kohls von 1982 bis 1987
Die Kanzlerschaft Helmut
Kohls von 1987 - 1989
Der Weg zur
Wiedervereinigung Deutschlands (Teil I: Die DDR von den siebziger Jahren
bis zum Fall der Mauer im Jahr 1989)
Vom Fall der Berliner
Mauer bis zur deutschen Einheit (1989 - 1990)
|
|
|
|
|
|
|
|
Zurück zum Inhaltsverzeichnis Deutsche
Geschichte
weiter zur nächsten Seite
zurück zur vorangehenden Seite
|
|
|
Wirtschafts- und Finanzpolitik 1982 - 1987
Außenpolitik 1982 - 1987
Ost- und Deutschlandpolitik 1982 - 1987
Innenpolitik 1982 - 1987
Literaturhinweise
|
|
|
Regierungswechsel
|
|
- Anlass für den Regierungswechsel
| |
- Infolge der mit der zweiten
Ölpreisexplosion 1979 eintretenden
Wirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit,
hoher Inflationsrate und anhaltender
Wachstumsschwäche plädiert die FDP, der liberale
Koalitionspartner der SPD, immer deutlicher für
harte Einschnitte bei den staatlichen Ausgaben
und für eine Neuorientierung der
Wirtschaftspolitik.
|
| |
- Das am 9. September 1982 von
Wirtschaftsminister Graf Lambsdorff (FDP) dem
Bundeskanzler Helmut Schmidt überreichte
"Strategiepapier" zur Bewältigung der
wirtschaftlichen Probleme verlangt entschiedene
Sparmaßnahmen durch tiefe Einschnitte ins soziale
Netz. Nachdem Schmidt am 17. September 1982
Lambsdorffs Thesenpapier als
"Scheidungsbrief"
bezeichnet und die Entlassung des
Wirtschaftsministers erwägt, erklären die vier
FDP-Minister ihren Rücktritt. CDU und FDP waren nun
vor die Entscheidung gestellt, den Kanzler zu
stürzen oder Neuwahlen anzustreben.
| |
Durch den Bruch
der Koalition gerät die FDP in eine
Existenzkrise. Innerparteilich waren die
Widerstände gegen einen Wechsel zu einer
Koalition mit der CDU/CSU erheblich. In einem
Beschluss vom 25. September fordern 700
Linksliberale den Parteivorsitzenden Genscher
zum sofortigen Rücktritt auf. Die Anhänger für
eine Koalition mit den Unionsparteien setzen
sich durch. Genscher wird auf dem FDP-Parteitag
(7. November 1982) als Parteivorsitzender
bestätigt. |
| |
. |
|
|
- Die Wahl des neuen Bundeskanzlers
| |
- Am 1. Oktober 1982 bringen die
Fraktionen der CDU/CSU und der FDP einen Antrag auf
ein konstruktives Misstrauensvotum gegen
Bundeskanzler Helmut Schmidt im Bundestag ein. Aus
der Abstimmung geht der CDU-Partei- und
CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende
Helmut Kohl als
neuer Bundeskanzler hervor.
| |
In der Debatte
vor der Abstimmung sprach
Helmut Schmidt
von einem "Vertrauensbruch ohne
Wählerauftrag" und forderte sofortige
Neuwahlen. |
| |
|
| |
 |
Helmut Kohl (1930 -
), Kanzler der Bundesrepublik Deutschland
von 1982 bis 1998
Aufnahme im Jahre 1994
Mit
besonderer Genehmigung
des Bildautors Josef Albert Slominski
(slomifoto). Link:
www.slomifoto.de
|
|
| |
|
|
|
|
| |
| |
Zusammensetzung des ersten Kabinetts Kohl
(4.10.1982 - 30.3.1983): Bundeskanzler:
Helmut Kohl (CDU), Auswärtiges: Hans-Dietrich
Genscher (FDP), Inneres. Friedrich Zimmermann
(CSU), Justiz: Hans A. Engelhard (FDP),
Finanzen: Gerhard Stoltenberg (CDU), Wirtschaft:
Otto Graf Lambsdorff (FDP), Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten: Josef Ertl (FDP),
Arbeit und Sozialordnung: Norbert Blüm (CDU),
Verteidigung: Manfred Wörner (CDU), Jugend,
Familie und Gesundheit: Heiner Geißler (CDU),
Verkehr: Werner Dollinger (CSU), Post- und
Fernmeldewesen: Christian Schwarz-Schilling
(CDU), Raumordnung, Bauwesen und Städtebau:
Oscar Schneider (CSU), Innerdeutsche
Beziehungen: Rainer Barzel (CDU), Forschung und
Technologie: Heinz Riesenhuber (CDU), Bildung
und Wissenschaft: Dorothee Wilms (CDU),
Wirtschaftliche Zusammenarbeit: Jürgen Warnke
(CSU). |
| |
|
|
|
| |
- In seiner
ersten
Regierungserklärung, die Helmut Kohl am 13.
Oktober 1982 abgibt, kündigt er eine
"geistig-moralische Wende" und eine
"Politik
der Erneuerung" an. Die Wirtschaftskrise soll
mit einem "Dringlichkeitsprogramm" überwunden
werden. Als Schwerpunkte nennt Kohl: 1. Die
Schaffung neuer Arbeitsplätze 2. Die Sicherung des
sozialen Netzes 3. Eine Ausländerpolitik, die sowohl
Integration als Rückführung ermöglicht. 4. Eine
Erneuerung der Grundlagen in der deutschen Außen-
und Sicherheitspolitik. 4. In der Ost- und
Deutschlandpolitik sollen die bestehenden Verträge
eingehalten und die laufenden Verhandlungen
fortgesetzt werden.
|
| |
- Die Gefährdung der
Sozialversicherung führt der neue Bundeskanzler auf
die "unkorrigiert überzogenen Ansprüche an den
Staat und die soziale Sicherung" zurück. Im
Mittelpunkt einer neuen Wirtschafts- und
Gesellschaftspolitik sollen
"Freiheit, Dynamik
und Selbstverantwortung" stehen. Der Staat müsse
"auf seine ursprünglichen und wirklichen Aufgaben
zurückgeführt" und "die sozialen Leistungen von
Staat und Gesellschaft auf die wirklich
Hilfsbedürftigen" konzentriert werden.
|
|
| |
- Nach der Regierungsbildung
verbleibt das Problem von Neuwahlen. Das
Grundgesetz sah keine Möglichkeit einer
Parlamentsauflösung oder vorgezogener Neuwahlen vor.
Um die Auflösung des Bundestags und Neuwahlen zu
erreichen, stellt Bundeskanzler Kohl am 17. Dezember
1982 die Vertrauensfrage. Verabredungsgemäß
enthalten sich 248 Abgeordnete von CDU/CSU und FDP
ihrer Stimme, so dass Helmut Kohl die Mehrheit
verfehlt. Dem Ersuchen um Auflösung des Bundestags
folgt Bundespräsident Karl Carstens am 7.
Januar 1983 trotz seiner verfassungsrechtlichen
Bedenken gegen das angewandte Verfahren. Seine
Entscheidung begründet er mit der "Einigkeit aller
Parteien" und mit der
"politischen
Ausnahmesituation". Das
Bundesverfassungsgericht bestätigt Mitte Februar
1983, dass der Bundespräsident, gestützt auf die
'Einschätzungs- und Beurteilungskompetenz' des
Bundeskanzlers, legitimiert gewesen sei, den
Bundestag vorzeitig aufzulösen.
|
| |
- Bei einer Wahlbeteiligung von
89,1% bringt die vorgezogene Bundestagswahl am 6.
März 1983 eine deutliche Bestätigung der
christlich-liberalen Regierungskoalition. Die
Unionsparteien kommen bei einem Zuwachs von 4,3%
mit 48,8% der Stimmen auf das nach 1957 beste
Ergebnis ihrer Geschichte. Die
FDP verlor
zwar 3,6% gegenüber 1980, erhielt jedoch trotz der
innerparteilichen Auseinandersetzungen 7,0% der
Stimmen. Die SPD erlitt mit 38,2% einen
Verlust von 4,7%. Einen überraschenden Erfolg
verbuchen die Grünen, die mit 5,6%
Stimmenanteil erstmals in den Bundestag einziehen..
|
| |
- CDU/CSU und
FDP
schließen am 22. März 1982 eine
Koalitionsvereinbarung auf der Basis des
Regierungsprogramms vom Oktober 1982. Bei der Wahl
des Bundeskanzlers am 29. März erhält
Helmut Kohl
271 von 486 gültigen Stimmen. Die Besetzung des
Kabinetts bleibt bis auf zwei Ressorts unverändert.
In seiner Regierungserklärung
nennt Kohl
folgende Schwerpunkte: Fortsetzung der Verständigung
mit den osteuropäischen Staaten, Verbesserung der
Rahmenbedingungen für einen wirtschaftlichen
Aufschwung, Abbau der Massenarbeitslosigkeit.
|
|
|
|
Regierungswechsel
Außenpolitik 1982 - 1987
Ost- und Deutschlandpolitik 1982 - 1987
Innenpolitik 1982 - 1987
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Wirtschafts- und Finanzpolitik 1982 - 1987
|
|
| . |
- Wirtschaftliche Situation 1981 - 1982
|
| |
Jahr
|
Inflationsrate (in %)
|
Arbeitslose (in 1000) |
Arbeitslosenquote (in %) |
Wachstumsrate Bruttosozialprodukt (in %) |
|
| |
|
|
|
|
|
|
| |
1981 |
6,3 |
1272 |
5,1 |
0,0 |
|
| |
1982 |
5,2 |
1833 |
7,2 |
- 1,1 |
|
|
| . |
| |
Als Folge der
Wirtschaftskrise erreicht die Zahl der Insolvenzen mit
11.916 Konkursen und Vergleichsverfahren von Unternehmen
im Jahr 1982 einen Nachkriegsrekord. |
|
| . |
- Generelle Orientierung der Wirtschafts- und
Finanzpolitik
|
| |
- Bekämpfung und Überwindung von
Wachstumsschwäche und Massenarbeitslosigkeit durch
verbesserte Produktionsbedingungen. Das
wirtschaftliche Wachstum und die Schaffung von
Arbeitsplätzen sollen über die Verbesserung der
Bedingungen auf der Angebotsseite erreicht werden
(Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik).
|
| |
- Auf
Investitionen des Staates
soll während des Konjunkturabschwungs
grundsätzlich verzichtet werden. Die Grundlage für
die Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft wird in der
Selbstregelungskraft des Marktes über Angebot
und Nachfrage und in der an der
volkswirtschaftlichen Produktion orientierten
Steuerung der Geldmenge durch die Zentralbank
gesehen (Monetarismus).
|
| |
- In der Finanzpolitik verfolgt die
Bundesregierung den Leitsatz
"Über geordnete
Finanzen zu einem geordneten Staat". Der
Bundeshaushalt soll durch
Senkung der
Neuverschuldung konsolidiert werden. Dieses Ziel
erhielt absolute Priorität vor steuerlichen
Erleichterungen. In diesem Sinne verkündet Helmut
Kohl eine "Atempause in der Sozialpolitik".
|
|
- Maßnahmen zur Konsolidierung des Haushalts
| |
- Am 16. Dezember 1982 beschließt
der Bundestag gegen die Stimmen der SPD-Opposition
den geänderten Bundeshaushalt 1983. Das
Haushaltsbegleitgesetz sieht zum 1. Januar 1983
zahlreiche Änderungen vor:
| |
- Die
Beiträge zur
Arbeitslosenversicherung werden von 4%
auf 4,6% erhöht. Zugleich werden die
Zuschüsse an die Bundesanstalt für Arbeit um
1,3 Mrd. DM gekürzt.
- Der 1977 abgeschaffte
Krankenversicherungsbeitrag für Rentner
wird wieder eingeführt.
- Leistungsminderungen beim
Kinder- und Wohngeld.
- Verschiebung der
Anpassungserhöhungen für
Renten
und
Sozialhilfe.
|
|
| |
- Am 1. Juli 1983 wird die
Mehrwertsteuer
von 13 auf 14% erhöht.
|
| |
- Am 1. August 1983 tritt die
Neufassung des Bundesausbildungsförderungsgesetze
(BAföG) in Kraft. Die bisherige Förderung von
Schülern entfällt fast vollständig,
bezugsberechtigte Studenten erhalten nur noch ein
zinsloses Darlehen.
|
| |
- Ab 1. Januar 1984 müssen die
Empfänger verschiedener Sozialleistungen weitere
Kürzungen ihrer Bezüge hinnehmen. Unter anderem
erhalten Arbeitslose ohne Kinder nur noch 63%
statt bisher 68% ihres früheren Nettoentgelts als
Arbeitslosengeld.
|
| |
- Am 19. April 1985 beschließt der
Bundestag die Anhebung der Rentenbeiträge um
0,5 auf 19,2%
|
|
- Maßnahmen zur Ankurbelung der Investitionstätigkeit
und der privaten Nachfrage
| |
- Personen mit höherem Einkommen
soll für die Jahre 1983 und 1984 eine
unverzinsliche, rückzahlbare Investitionshilfeabgabe
von 5% der Steuerschuld abverlangt werden. Diese
"Zwangsabgabe" wurde im November 1984 für
verfassungswidrig erklärt.
|
| |
- Durch die Senkung der
steuerlichen Belastung von Unternehmen
(u. a.
bei der Gewerbesteuer) und weitere steuerliche
Anreize soll die Investitionstätigkeit angeregt
werden.
|
| |
- Im Juni 1983 beschließt die
Bundesregierung Subventionen für Stahlunternehmen
in Höhe von 3 Mrd. DM.
| |
Entsprechend der
"Angebotsorientierten Wirtschaftstheorie"
geht die Regierung Kohl davon aus, dass
steigende Unternehmergewinne zu mehr
Investitionen und zur Schaffung neuer
Arbeitsplätze führen. Eine andere Maßnahme zur
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wird im März
1984 ergriffen: Ein Vorruhestandsgesetz
soll es Arbeitnehmern vom 58. Lebensjahr an
ermöglichen, vorzeitig in den Ruhestand zu
treten, um jüngeren Arbeitslosen einen
Arbeitsplatz freizumachen.
|
|
| |
- Eine zentrale wirtschafts- und
finanzpolitische Maßnahme lag in der
Steuerreform,
die 1986, 1988 und 1990 in drei Stufen umgesetzt
wurde und die vor allem mit
Steuerfreibeträgen
operierten. Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen
wurden durch die dreimalige Anhebung des
Grundfreibetrags entlastet. Für Familien dieser
Einkommensgruppe wurden die Kinder- und
Ausbildungsfreibeträge angehoben.
|
|
- Internationale Währungs- und Wirtschaftspolitik
| |
- Die Finanzminister der Staaten
des Europäischen Währungssystems legen im
März 1983 neue Leitkurse innerhalb des
Währungsverbundes fest. Die DM wird um 5,5%
aufgewertet. Der französische Franc, der die
Neuordnung erforderlich gemacht hatte, wird um 2,5%
abgewertet.
|
| |
- Während des Jahres 1985 verfällt
der Dollar in einem Maße, dass er den deutschen
Export gefährdet. Die Forderung der USA, eine
expansive Geld- und Wachstumspolitik zu
betreiben, lehnte die Bundesregierung ab. Für sie
hat die Stabilität der DM absoluten Vorrang. Im
Gegenzug forderte die Bundesrepublik ihrerseits von
der amerikanischen Regierung eine
Politik des
Haushaltsausgleichs. Die Spannungen zwischen der
Bundesrepublik und den USA verstärken sich im Herbst
1987. Als der amerikanische Finanzminister drohte,
den Wert des Dollars noch weiter fallen zu lassen -
und damit den deutschen Export fast unmöglich zu
machen -, kam es am 19. Oktober 1987 zum
Börsenkrach. Wider Erwarten beruhigen sich
danach die Turbulenzen.
|
|
- Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzpolitik
| |
- Die
wirtschaftspolitischen
Erfolge der Regierung Kohl waren zum Teil
beträchtlich. So lag das Wachstum des
Bruttosozialprodukts, das 1982 noch um 1,1%
abgenommen hatte, 1983 wieder bei 2,1%. Auch die
Inflationsrate nahm ständig ab.
Nicht erfolgreich
war die Regierung Kohl beim Kampf gegen die
Arbeitslosigkeit. Noch im Jahr 1989 gab es 2,04
Millionen Arbeitslose.
| |
Jahr |
Inflationsrate (in %) |
Arbeitslose (in 1000) |
Arbeitslosenquote (in %) |
Wachstumsrate Bruttosozialprodukt
(in %) |
|
| |
|
|
|
|
|
|
| |
1982 |
5,2 |
1833 |
7,2 |
-1,1 |
|
| |
1983 |
3,3 |
2258 |
8,8 |
2,1 |
|
| |
1984 |
2,4 |
2266 |
8,8 |
3,1 |
|
| |
1985 |
2,0 |
2304 |
8,9 |
1,9 |
|
|
| |
. |
| |
- Gleichzeitig mit dem
Regierungswechsel setzte im Winter 1982/83 ein
zunächst verhaltener, allerdings lang andauernder
konjunktureller Aufschwung ein. Zunächst stiegen
die Gewinne der Unternehmen stärker als die
Investitionen. Nach 1985 nahm die
Investitionstätigkeit erheblich zu. Aufgrund des
hohen Dollarkurses stieg ab 1984 auch der Export.
Nach dem Verfall des Dollars zwischen 1985 und 1987
stagnierte zwar der Export, doch nahmen die
Ausfuhrüberschüsse weiterhin zu.
|
| |
- Der
Preisverfall beim Erdöl
bewirkte Mitte der achtziger Jahre einen
Kaufkraftschub von etwa 40 Mrd. DM. Nicht zuletzt
trugen die privaten Haushalte, die durch die
Steuerreform entlastet worden waren, zur
Erhöhung
der Inlandsnachfrage bei. Begünstigt durch
Kostenminderungen und hoher Inlandsfrage ging der
zunächst moderate Aufschwung in eine Hochkonjunktur
über.
|
| |
- Die Annahme, das steigende
Unternehmergewinne auch zur
Schaffung von neuen
Arbeitsplätzen führen, ging bis 1989 nur
unzureichend in Erfüllung. Ein weiterer Grund für
die hohe Arbeitslosigkeit lag in den achtziger
Jahren in der erhöhten Nachfrage nach
Erwerbstätigkeit durch geburtenstarke Jahrgänge und
insbesondere durch Frauen.
|
|
|
|
Regierungswechsel
Wirtschafts- und Finanzpolitik 1982 - 1987
Ost- und Deutschlandpolitik 1982 - 1987
Innenpolitik 1982 - 1987
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Außenpolitik 1982 - 1987
|
|
| |
- Die
"Doppelstrategie",
nämlich einerseits Sicherheitsvorkehrungen
für den Fall eines militärischen Angriffs der
Sowjetunion zu treffen und andererseits auf die
Entspannung
zwischen West und Ost hinzuwirken,
hatte sich für die Bundesrepublik durchaus als
erfolgreich erwiesen. In seiner Regierungserklärung
von 1982 bekennt sich deshalb Helmut Kohl zum
"NATO-Doppelbeschluss" vom Dezember 1979. Er
bekräftigt ausdrücklich, dass neue amerikanische
Mittelstreckenraketen in Europa stationiert werden
sollen, falls die in Genf geführten Verhandlungen
über einen beiderseitigen Abbau des Potentials an
Mittelstreckenraketen ohne Ergebnis verlaufen.
- Der Bundeskanzler gibt das Ziel
vor, die Beziehungen zu den USA, die am Ende der
Regierung Schmidt stark gelitten hatten, wieder zu
verbessern.
|
| |
- In der
Ostpolitik stellte
sich die neue Bundesregierung auf die Grundlage der
bestehenden Verträge. Gegenüber der DDR sollte auf
bestehende Vereinbarungen aufgebaut und weitere
Regelungen zur Konfliktvermeidung festgelegt werden
(Schaffung eines "Modus vivendi"). Kohl
bekräftigte zugleich das Ziel
"Einheit in
Freiheit", wies jedoch darauf hin, dass es "nur
in historischen Zeiträumen" zu verwirklichen sei.
|
|
- Die Stationierung der Mittelstreckenraketen
| |
- Die neue Bundesregierung muss -
als erste außenpolitische Herausforderung - im
Herbst 1983 nach dem erklärten Scheitern der Genfer
Abrüstungsverhandlungen gegen die inneren
Widerstände in der Bundesrepublik die
Stationierung der Mittelstreckenraketen
durchsetzen. Insbesondere sieht sich die
Bundesregierung den Protesten der
Friedensbewegung gegenüber. Seit dem Frühjahr
1983 war es zu zahlreichen Demonstrationen gegen die
nukleare Nachrüstung gekommen. Auf dem
Sonderparteitag der SPD am 18./19. November 1983
stimmen 383 der 400 Delegierten gegen die
Aufstellung der US-amerikanischen
Mittelstreckensysteme auf dem Boden der
Bundesrepublik. Sie fordern die Fortführung der
Verhandlungen bei gleichzeitigem Stopp der
Stationierung von Seiten des Westens und den Beginn
des Abbaus der auf Europa gerichteten SS-20-Raketen
durch die Sowjetunion.
|
| |
-
In seiner
Regierungserklärung vom 21. November 1983
begründet Bundeskanzler Helmut Kohl die
Stationierung der US-Mittelstreckenwaffen u. a.
damit, dass die Sowjetunion trotz mehrerer
Abrüstungsvorschläge des Westens auf ihren
Maximalforderungen beharre. Wörtlich sagte Kohl:
„Sie möchte unverändert die Aufstellung von
nuklearen Mittelstreckenwaffen in Europa vollständig
verhindern und sich das Monopol an landgestützten
Mittelstreckenraketen sichern“. In namentlicher
Abstimmung billigt der Bundestag am 22. November
1983 mit 286 gegen 225 Stimmen bei einer Enthaltung
die Entscheidung der Bundesregierung,
"fristgerecht den Beginn des Stationierungsprozesses
einzuleiten". Die Durchsetzung des Beschlusses
war ein politischer Kraftakt, den die
Bundesregierung als Nachweis ihrer
Bündnistreue
unternommen hatte.
| |
Am 23. November
1983, nur einen Tag, nachdem der Bundestag der
Stationierung neuer amerikanischer
Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik
zugestimmt hatte, unterbrach die Sowjetunion
Abrüstungsverhandlungen in Genf. ( Bei diesen
Verhandlungen hatte die NATO eine
"Null-Lösung"
vorgeschlagen: Verzicht auf
die Nachrüstung, wenn die Sowjetunion ihre
Mittelstreckenraketen abgebaut hat.). Wenige
Monate später, im Frühjahr 1984, begann der
Kreml mit Gegenmaßnahmen, unter anderem mit der
Verlegung von Mittelstreckenraketen kürzere
Reichweite nach Mitteleuropa. |
| |
|
|
| |
-
Unter strenger
Geheimhaltung werden am 23. November 1983 die ersten
Komponenten der Pershing-II-Raketen in die
Bundesrepublik eingeflogen und zum Militärdepot
Mutlangen transportiert.
Bundesverteidigungsminister Wörner (CDU) teilt
am gleichen Tag mit, die Aufstellung der
Mittelstreckenwaffen werde zur Jahreswende 1983/84
abgeschlossen sein. Das Bundesverfassungsgericht
erklärt am 18. Dezember 1984 die Zustimmung der
Bundesregierung zur Stationierung der
Pershing-II-Raketen und Cruisemissiles für
verfassungsgemäß und weist damit die Klage der
Grünen-Bundestagsfraktion zurück.
|
|
- Die Beziehungen zu den USA
| |
- Die
US-Regierung unter
Präsident Reagan betrieb ihre Außenpolitik im
Verhältnis zu ihren Bündnispartnern als
nationale
Interessenpolitik. Bei den Genfer
Abrüstungsverhandlungen wurde die Bundesregierung
nicht konsultiert. Dies galt auch für die
antikommunistische Konfrontationspolitik
gegenüber der Sowjetunion in Reagans erster Amtszeit
(1981 - 1985) und für das Rüstungsforschungsprogramm
'Stratetic Defense Initiative' (SDI, "Krieg der
Sterne").
| |
- Mit dem
Raketenabwehrsystem SDI sollte es eines
Tages gelingen, feindliche Nuklearaketen
schon während des Anflugs auszuschalten. In
diesem Fall wäre es der Sowjetunion fast
unmöglich geworden, nach einem Angriff auf
ihr Territorium einen Gegenschlag
durchzuführen.
|
| |
- Das
Raketenabwehrsystem SDI
versprach zwar
absolute Sicherheit für die USA,
unterminierte jedoch die gesamte Logik der
atomaren Abschreckung. Außerdem beschwor es
die Gefahr einer
Abkopplung
der dann
unverwundbaren USA von Europa herauf.
|
| |
- Trotz der erheblichen
Interessenunterschiede gab die
Bundesregierung am 18. April 1985 der
amerikanischen Bitte um Kooperation bei der
Planung und Durchführung des Projekts eine
bedingte und auf die Forschungsphase
beschränkte Zustimmung. Die
SPD-Bundestagsfraktion hatte sich
bereits Anfang April auf ein bedingungsloses
Nein zu SDI festgelegt.
|
|
| |
- Vom 1. bis 6. Mai 1985 besucht
US-Präsident Ronald Reagan die Bundesrepublik,
unterbrochen durch seine Teilnahme am
Weltwirtschaftsgipfel der G-7-Staaten in Bonn.
Reagan und Kohl
bringen aus Anlass des 40. Jahrestages des
Kriegsendes die Aussöhnung zwischen beiden
Völkern zum Ausdruck. Die Visite im KZ Bergen-Belsen
war erst nach heftigen Protesten in den USA und in
der Bundesrepublik gegen den Besuch des Bitburger
Soldatenfriedhofs ins Besuchsprogramm aufgenommen
worden.
|
| |
- Im März 1985 werden die
'Rüstungskontrollverhandlungen' zwischen den USA
und der Sowjetunion wieder aufgenommen. In der
zweiten Amtszeit Ronald Reagans (1985 - 1989)
verstärkte sich die Kehrtwende der USA hin zu
einer Wiederannäherung der beiden Supermächte.
Die deutsche Bundesregierung wurde dabei nicht
konsultiert. Im September 1987 schlossen die USA und
die Sowjetunion in Washington ein
Abkommen zum
vollständigen Abbau der beiderseitigen
Mittelstreckenwaffen mit einer Reichweite
zwischen 500 und 5000 km innerhalb von drei Jahren
(INF-Abkommen).
| |
Mit dem
Abrüstungsschritt der beiden Großmächte war der
zentrale Grund für den NATO-Doppelbeschluss
weggefallen. In Europa sollen lediglich die
Gefechtsfeldwaffen (Short Range Nuclear Forces -
SNF) mit einer Reichweite unter 500 km
verbleiben. Die von Helmut Kohl propagierte
Politik der Abschreckung mit nuklearen Waffen
von kurzer, mittlerer und langer Reichweite war
praktisch aufgehoben. Im Bereich der
konventionellen Bewaffnung stand Europa einer
drückend überlegenen Sowjetunion gegenüber.
Erneut kam die Befürchtung
einer "Abkoppelung" der selbst nicht
bedrohten USA von Europa auf. Für beide deutsche
Staaten kam die Bedrohung durch die atomaren
Kurzstreckenwaffen hinzu.
|
| |
. |
|
|
- Die Beziehungen zur Sowjetunion
| |
- Die
Ostpolitik der Regierung
Kohl stand in den ersten Jahren ganz im Schatten
des NATO-Doppelbeschlusses und der konfrontativen
Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion.
Die Bundesregierung will die
Entspannungspolitik
der sozial-liberalen Regierung fortsetzen, vom
NATO-Doppelbeschluss jedoch nicht abweichen.
|
| |
-
Auf ihrem Besuch
in Moskau vom 4. - 6. Juli 1983 können
Bundeskanzler Kohl
und
Außenminister Genscher
(FDP) im Gespräch mit dem
sowjetischen
Parteichef Jurij W. Andropow keine Annäherung
der sicherheitspolitischen Standpunkte erzielen.
Sowjetische Abrüstungsvorschläge werden von ihnen
abgelehnt. Dennoch erklären beide Seiten ihre
weitere Verhandlungsbereitschaft über die nukleare
Mittelstreckenraketenrüstung in Europa und ihr
Interesse, trotz der Kontroversen die
Zusammenarbeit auf wirtschaftlicher Ebene
auszubauen.
| |
 |
Hans-Dietrich Genscher
(1927 - ), deutscher Außenminister von 1974 bis
1992
Bildquelle:
www.genscher.de
|
|
| |
|
|
|
|
|
- Die Beziehungen zu Frankreich
| |
- Am 20. Januar 1983, also während
der Kanzlerschaft Helmut Schmidts, hatte das
französische Staatsoberhaupt
Francois Mitterand
in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag die enge
Zusammenarbeit beider Staaten bei der Gestaltung der
Zukunft und der Sicherheit Westeuropas bekräftigt.
Mitterand betont zugleich die
eigenständige Rolle
Frankreichs in nuklearstrategischen Fragen.
|
| |
- Am 29. September 1984 besuchen
Francois Mitterand
und
Helmut Kohl
gemeinsam zwei Soldatenfriedhöfe auf dem
Schlachtfeld von Verdun, wo im Ersten Weltkrieg
mehr als
500.000 Soldaten den Tod fanden, und gedenken den
Toten beider Weltkriege. Die beiden Staatsmänner
reichen sich über den Gräbern die Hände. Diese
symbolträchtige Geste der
deutsch-französischen
Versöhnung findet in der internationalen
Öffentlichkeit große Beachtung.
|
| |
-
Am 5. Februar 1985
beschließen die Regierungen Frankreichs und der
Bundesrepublik ihre Zusammenarbeit in der
Bekämpfung des Terrorismus
zu verstärken.
|
|
| |
- Zu Beginn der Regierung Kohl
stand die Europapolitik unter dem Zeichen der
Agrar- und Budgetkrise der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft (EG) sowie der allgemeinen
wirtschaftlichen Krise. Die Maßnahmen zur
europäischen Einigung, die unter Helmut Schmidt
primär ökonomisch ausgerichtet waren,
erhielten unter Helmut Kohl zunehmend einen
politischen Charakter.
| |
- In der Frage einer
gemeinsamen europäischen Währung waren
Bundesbank und Bundesregierung
unterschiedlicher Meinung. Während sich die
Deutsche Bundesbank um die Stabilität einer
solchen Währung sorgte, sah die
Bundesregierung darin einen Schritt hin zu
einem europäischen Bundesstaat.
|
| |
- Zwischen der
Bundesrepublik und Frankreich bestanden
grundlegende Interessenkonflikte. Der
französischen Regierung ging es um die
Subventionierung der eigenen Landwirtschaft
durch die Europäische Gemeinschaft. In der
Frage einer europäischen Währungsunion
strebte Frankreich "weichere" Kriterien
für eine gemeinsame Währung an. Ihr sollte
hauptsächlich die Aufgabe zukommen, die
Dominanz der DM in Europa zu brechen.
| |
Trotz der
unterschiedlichen Interessen gaben
Staatspräsident Mitterand und
Bundeskanzler Kohl ihr gemeinsames Ziel,
die europäische Einigung, nicht
auf. |
| |
|
|
|
| |
-
Die zehn Staats-
und Regierungschefs der EG verabschieden auf ihrem
Gipfeltreffen vom 17. bis 19.6.1983 in Stuttgart
eine Deklaration zur Europäischen Union.
Neben der weiteren Intensivierung der
wirtschaftlichen Integration innerhalb der EG wollen
sie der Gemeinschaft eine
stärkere politische
Rolle in der Weltpolitik verschaffen. Um den
Charakter einer politischen Union kann jedoch
keine Einigung erzielt werden.
|
| |
-
Nach dem Scheitern
ihrer Beratungen über Agrar-, Finanz- und
Strukturfragen bei den Sitzungen des
Europäischen
Rates im Dezember 1983 über Beitragszahlungen
Großbritanniens finden die Staats- und
Regierungschefs auf ihrer Gipfelkonferenz am 26.
Juni 1984 einen Kompromiss: Großbritanniens
Premierministerin Margaret Thatcher
kann sich
mit der Forderung nach Senkung der britischen
Beiträge weitgehend durchsetzen. Die Bundesrepublik
kann nach Zustimmung der anderen Mitgliedstaaten die
Subventionen für die deutsche Landwirtschaft
erhöhen.
| |

|
Margaret Thatcher
(*
1925), Premierministerin des Vereinigten
Königreichs von 1979 bis 1990
TIME
|
|
| |
|
|
|
|
| |
- Im Februar 1986 unterzeichnen die
Mitgliedstaaten der EG die
"Einheitliche
Europäische Akte", die den Abbau von
Handelshemmnissen und die Verwirklichung des
europäischen Binnenmarktes bis 1992 sowie den Ausbau
"Europäischen Währungssystems" vorsieht.
|
|
|
|
Regierungswechsel
Wirtschafts- und Finanzpolitik 1982 - 1987
Außenpolitik 1982 - 1987
Innenpolitik 1982 - 1987
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Ost- und Deutschlandpolitik 1982 - 1987
|
|
| |
- Aus der Sicht von
Außenminister
Genscher bedurfte es nach dem Regierungswechsel in der
Ostpolitik keiner nennenswerten Korrekturen. Als er im
Oktober 1982 in Moskau mit dem sowjetischen Außenminister
Gromyko sprach, gingen beide Seiten von einem
"Höchstmaß an Kontinuität und Berechenbarkeit" aus.
|
- Überraschend für viele betrieb Helmut
Kohl eine aktive Ost- und Deutschlandpolitik. Sie
verlief auf zwei Ebenen, zum einen in der ständigen Betonung
der Rechtsstandpunkte der Bundesrepublik und des
Selbstbestimmungsrechts, zum anderen in der
praktischen Zusammenarbeit mit der DDR. Eine operative
Wiedervereinigungspolitik betrieb die Bundesregierung nicht.
| |
Die Betonung lag auf der
Freiheit und Selbstbestimmungsrecht anstelle der
territorialen Einheit. Selbstbestimmung, so erklärte
Kohls außenpolitischer Berater
Teltschik, dem
sowjetischen Botschafter noch Ende September 1989,
bedeute in der deutschen Frage konkret: Es könne
"Einheit heißen, müsse es aber nicht zwangsläufig". |
| . |
|
|
- Parallel zur offiziellen Außenpolitik
verstärkte die SPD ihre Zusammenarbeit mit der SED.
Egon
Bahr verfolgte das Konzept einer
Sicherheitspartnerschaft, das mit dem atlantischen
Sicherheitsbedürfnis der Bundesrepublik nicht vereinbar war.
Die SPD sah eine "Relativierung der Westbindung" und
eine grundsätzliche Abschwächung des Legitimationsvorbehalts
gegen die DDR vor.
|
- Die praktische Kooperation mit der DDR
| |
- Die Regierung Kohl verfolgt das
Ziel, durch finanzielle Leistungen an die DDR
Zusicherungen über humanitäre Erleichterungen
zu erhalten. Am 29. Juni 1983 erhält die DDR einen
vom bayerischen Ministerpräsidenten
Franz Josef
Strauß (CSU) vermittelten Kredit westdeutscher
Banken über eine Milliarde DM. Im Gegenzug wird
Mitte September 1983 von der DDR eine
Verordnung
über Familienzusammenführung
bekannt gegeben.
Ende Juli 1984 übernimmt die Bundesregierung
Bürgschaften für Kredite deutscher Banken an die DDR
in Höhe von 950 Millionen DM. Als Gegenleistung
sicherte die DDR die Senkung des Mindestumtausches
für Rentner, den Abbau der Selbstschussanlagen und
zügigere Abfertigungen an der innerdeutschen Grenze
zu. Außerdem wurden die Ausreisemöglichkeiten für
DDR-Bürger erweitert.
| |
Nach der
Gewährung des zweiten Großkredits an die DDR
warf die 'Prawda' in Moskau der Bundesrepublik
vor, sie verfolge mit ihrer Politik die
"Unterhöhlung" der sozialistischen Ordnung der
DDR. |
| |
|
|
| |
- Die 1975 unterbrochenen
Verhandlungen über ein Kulturabkommen
zwischen der Bundesrepublik und der DDR wurden im
Frühjahr 1983 wieder aufgenommen und führten 1986
zur Unterzeichnung in Ostberlin.
|
| |
-
Anlässlich der
Trauerfeierlichkeiten für den am 9. Februar 1984
verstorbenen Staats- und Parteichef Andropow treffen
sich erstmals Bundeskanzler Kohl
und
DDR-Staatsratsvorsitzender Honecker am 13.2.1984
in Moskau zu einem Gespräch zusammen. Mit der
Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung
über ihre Erwartungen an die am 17. Januar 1984 in
Stockholm begonnene Konferenz über Vertrauensbildung
und Abrüstung signalisieren sie ihre Bereitschaft,
den Ost-West-Dialog fortzusetzen und die
deutsch-deutschen Beziehungen weiterzuentwickeln.
| |

|
Erich Honecker
(1912 -
1994), 1976 - 1989 Vorsitzender des
DDR-Staatsrats
|
|
| |
|
|
|
|
| |
-
Am 15. Februar
1985 tritt eine neue Transit-Anordnung der
DDR in Kraft: Künftig können alle für den
Transitverkehr zugelassenen Grenzübergänge benutzt
werden. Die für die Transitstrecken bisher geltenden
Routenbeschränkungen entfallen.
|
| |
-
In einer
gemeinsamen Erklärung von
Bundeskanzler Kohl
und dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Honecker
am 12. März 1985 heißt es, dass die
Unverletzlichkeit der Grenzen, die Beachtung der
territorialen Integrität und der Souveränität aller
Staaten in Europa in ihren gegenwärtigen Grenzen
eine grundlegende Bedingung für den Frieden seien.
Von deutschem Boden dürfe nie wieder Krieg, sondern
müsse Frieden ausgehen ("Deutschlanderklärung").
|
| |
- Der
Besuch Honeckers in der
Bundesrepublik, der auf sowjetischen Druck hin
immer wieder verschoben worden war, kam im September
1987 zustande. Dem Bundeskanzler gelang die
schwierige Aufgabe, eine Balance zwischen der
Symbolik gleichberechtigter Zweistaatlichkeit und
dem prinzipiellen Legitimationsvorbehalt gegen das
Vorhandensein von zwei deutschen Staaten zu finden.
Kohl bekannte sich zum Verfassungsauftrag,
"in
freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit
Deutschlands zu vollenden". Allgemein wurde
Honeckers Besuch als die politische Anerkennung der
DDR durch die Bundesrepublik aufgefasst.
|
|
|
|
Regierungswechsel
Wirtschafts- und Finanzpolitik 1982 - 1987
Außenpolitik 1982 - 1987
Ost- und Deutschlandpolitik 1982 - 1987
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
Innenpolitik 1982 - 1987
|
|
| |
-
Trotz des
Anwerbestopps von 1973 war die
Zahl der Ausländer
aufgrund von Familiennachzug und höheren
Geburtenraten nicht wesentlich zurückgegangen,
sondern auf einer Höhe über 4 Millionen verblieben.
Anfang der achtziger Jahre nahm die Anzahl der
Asylbewerber zu, so dass die Zahl der Ausländer
in der BRD 1981/82 auf über 4,6 Millionen anstieg.
Angesichts dieser Entwicklung verfolgen alle
Bundesregierungen eine Doppelstrategie von
Zuzugsbegrenzung einerseits und Förderung der
Rückführung andererseits. Auch die Integration der
Ausländer in der Bundesrepublik wird gefördert.
|
| |
-
In der neuen
Regierungskoalition kommt es zu erheblichen
Differenzen über das Maß und die Handhabung der
Integration. Da Rückführungen rechtlich sehr
eingeschränkt möglich waren, wurde in den achtziger
Jahren die Anzahl der Ausländer in der
Bundesrepublik nicht wesentlich gesenkt. Die
Integrationsmaßnahmen traten auf der Stelle.
|
|
| |
- Die
IG Metall
beginnen im
Mai 1984 in den Tarifgebieten
Nordwürttemberg/Nordbaden und Hessen
Schwerpunktstreiks in der Metallindustrie. Die
Strategie der Gewerkschaft ist es, gezielt
Zulieferbetriebe zu bestreiken und somit die
Produktion in den weiter verarbeitenden Betrieben
lahm zu legen. Die Bundesanstalt für Arbeit
muss laut Arbeitsförderungsgesetz an diejenigen
Betroffenen Lohnersatzleistungen zahlen,
deren Betrieb außerhalb der umkämpften Tarifbezirke
lag. Um diese Zahlungen in Zukunft zu vermeiden,
bringt die Bundesregierung 1985 einen
Gesetzesentwurf zur "Sicherung der Neutralität
der Bundesanstalt für Arbeit bei Arbeitskämpfen"
ein. Die im März 1986 verabschiedete Änderung des
Gesetzes schränkt die Gewährung von Leistungen durch
die Bundesanstalt für Arbeit an durch einen Streik
mittelbar von Kurzarbeit bzw. Arbeitslosigkeit
betroffene Arbeitnehmer ein.
|
| |
- Bei dem siebenwöchigen
Arbeitskampf in der Metallindustrie müssen
nahezu die gesamte Automobilindustrie und ihre
Zulieferbetriebe zeitweise ihre Produktion
einstellen. Nach der Schlichtung durch den
SPD-Politiker Georg Leber vereinbaren die
Tarifparteien, die Wochenarbeitszeit auf 38,5
Stunden zu senken. Da auch andere Branchen mit
Arbeitszeitverkürzungen folgen, sinkt die
Wochenarbeitszeit im gesamtwirtschaftlichen
Durchschnitt auf 39 Stunden.
|
| |
-
Erstmals seit dem
Scheitern der „Konzertierten Aktion“ treffen am
6.9.1985 in Bonn Bundesregierung,
Arbeitnehmervertreter und Delegierte des Deutschen
Gewerkschaftsbundes DGB zusammen. Während sich
Vertreter der Regierung über Verlauf und Ergebnis
des Gesprächs zufrieden zeigen, erneuert der
DGB-Vorsitzende Ernst Breit trotz tendenzieller
Übereinstimmung in Einzelfragen seine Kritik an der
Politik der „beschäftigungspolitischen
Tatenlosigkeit und des kontraproduktiven
Sozialabbaus“ der Regierung.
|
|
| |
- Luftreinhaltung: Im
Februar 1983 beschließt die Bundesregierung
Maßnahmen zur Verminderung von Schadstoffen aus
Kraftwerken. Alle Neuwagen müssen ab 1989 mit
Katalysator ausgerüstet werden.
|
| |
- Forschung:
Das
Bundeskabinett billigt im März 1984 das "Programm
Umweltforschung und Umwelttechnologie 1984 - 1987",
in dem es Förderungsmittel im Umfang von 2 Mrd. DM
bereitstellen will.
|
| |
-
Am 23. Januar 1985
billigt das Bundeskabinett ein
Entsorgungskonzept
für Kernkraftwerke und eine
Wiederaufbereitungsanlage für verbrauchte
Kernbrennstoffe. Als Standort ist Wackersdorf im
bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz vorgesehen.
|
| |
- Zivildienst: Gegen die
Stimmen der SPD-Opposition verabschiedet der
Bundestag am 16.12.1982 ein
'Kriegsdienstverweigerungs-Neuordnungsgesetz'.
Die mündliche Gewissensprüfung wird abgeschafft. Die
Zivildienstpflicht wird von 16 auf 20 Monate
verlängert.
|
| |
- Parteienfinanzierung: Ende
Oktober 1983 einigen sich die Parteiführungen von
CDU, CSU und FDP als Konsequenz aus einer
Parteispendenaffäre (Flick-Affäre) auf eine
Neuregelung. Großspenden über 20.000 DM sind
steuerrechtlich nur abzugsfähig, wenn der Spender im
Rechenschaftsbericht ausgewiesen wird.
|
| |
-
Das Saarland hebt
am 25. Juni 1985 als erstes Bundesland die auf den
‚Extremistenbeschluss’ („Radikalenerlass“)
der Ministerpräsidenten zurückgehenden Richtlinien
für die Prüfung der Verfassungstreue von Bewerbern
für den öffentlichen Dienst formell auf.
|
| |
-
Am 28. Juni 1985
beschließt der Bundestag mit der Mehrheit von
CDU/CSU und FDP gegen den Widerspruch der SPD und
der Grünen eine Verschärfung des
Demonstrationsstrafrechts. Danach wird künftig
bei Demonstrationen die sog. Vermummung oder das
Tragen von „Schutzwaffen“ (wie Schwimmbrillen zum
Schutz von Tränengas) grundsätzlich als
Ordnungswidrigkeit geahndet.
|
| |
-
Am 29. August 1985
beginnt vor dem Landgericht Bonn der
Parteispendenprozess gegen die früheren
Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und
Hans Friederichs sowie den ehemaligen Flick-Manager
Eberhard von Brauchitsch. Die Anklage wirft
Brauchitsch Bestechung und Beihilfe zur
Steuerhinterziehung vor. Die Anklagen gegen
Lambsdorff und Friedrich lauten auf Bestechlichkeit
und Steuerhinterziehung.
|
| |
- Mitte April 1986 beschließt die
Bundesregierung eine Verlängerung der
Wehrdienstzeit von 15 auf 18 Monate vom 1.6.1989
an.
|
|
|
|
Regierungswechsel
Wirtschafts- und Finanzpolitik 1982 - 1987
Außenpolitik 1982 - 1987
Ost- und Deutschlandpolitik 1982 - 1987
Innenpolitik 1982 - 1987
Literaturhinweise
Zurück zum Seitenanfang |
|
|
Zurück zum Inhaltsverzeichnis Deutsche
Geschichte
weiter zur nächsten Seite
zurück zur vorangehenden Seite
(nächste Seite:
Die Kanzlerschaft Helmut Kohls 1987 - 1989)
|
|
|
Allen
Schülern und Studenten, die gerade eine Prüfung zu bestehen
haben, wünschen wir viel Erfolg. Wir drücken auch die
Daumen für diejenigen, die eine Klausur schreiben müssen oder
eine Hausarbeit bzw. Referat anzufertigen haben. Hat Euch unsere
Seite bei der Vorbereitung oder bei der Informationssammlung
geholfen? Wir freuen uns über jeden Eintrag in
unser Gästebuch,
der uns über eine erfolgreiche Nutzung unserer Homepage
berichtet. Selbstverständlich nehmen wir auch Hinweise und
Verbesserungsvorschläge entgegen.
|
|
|
Literaturhinweise
|
|
| Dülfer, Jost |
Europa im
Ost-West-Konflikt 1945 - 1990 (Oldenbourg Grundriss der
Geschichte 18). München 2004 |
| Dreher, Klaus |
Helmut Kohl. Leben mit
Macht. Stuttgart 1998 |
| Gaddum, Eckart |
Die deutsche
Europapolitik in den 80er Jahren. Interessen, Konflikte
und Entscheidungen der Regierung Kohl. Paderborn 1994 |
| Görtemaker, Manfred |
Geschichte der
Bundesrepublik Deutschland von der Gründung bis zur
Gegenwart. 1999 |
| Hillgruber, A. |
Deutsche Geschichte 1945
- 1986. Die "deutsche Frage" in der Weltpolitik. 6.
überarbeitete Auflage. Stuttgart 1987. |
| Mählert, Ulrich |
Kleine Geschichte der
DDR. München 1999 |
| Recker, Marie-Luise |
Geschichte der
Bundesrepublik Deutschland. München 2002. |
| Risse-Kappen, Thomas |
Die Krise der
Sicherheitspolitik. Neuorientierungen und
Entscheidungsprozess im politischen System der
Bundesrepublik Deutschlan 1977 - 1984. Mainz 1988. |
| Rdder, Andreas |
Die Bundesrepublik
Deutschland 1969 - 1990, Oldenbourg Grundriss der
Geschichte. München 2004 |
| Schöllgen, Gregor |
Die Außenpolitik der
Bundesrepublik Deutschland. Von den Anfängen bis zur
Gegenwart. München 1999 |
| Schöllgen, Gregor |
Geschichte der
Weltpolitik von Hitler bis Gorbatschow 1941 - 1991,
München 1996 |
| Schwarz, Hans-Peter |
Das Gesicht des
Jahrhunderts, Berlin 1998 |
| Staritz, Dieter |
Geschichte der DDR.
Frankfurt am Main 1996 |
| Steininger, Rolf |
Deutsche Geschichte,
Darstellung und Dokumente in vier Bänden, Frankfurt am
Main 2002. Band 4: 1974 bis zur Gegenwart (499 Seiten,
Fischer Taschenbuch 15583). |
| Stöver, Bernd |
Die Bundesrepublik
Deutschland. Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2002.
144 Seiten |
|
|
|
|
|
Stand:
10. Jan. 2010
Copyright ©2010 Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V.
Autor: Dieter Griesshaber |
|
|
|