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Die Welt des späten
Mittelalters (1250 - 1400)
Das Ende der Luxemburger
und der Aufstieg der Habsburger Kaiserdynastie (1400 - 1517)
Die Reformation von
Luthers Anschlag der 95 Thesen bis zum Wormser Reichstag (1517 - 1521)
Der Dreißigjährige Krieg
(1618 - 1648)
Vom Westfälischen Frieden
(1648) bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Großen (1740)
Der Aufstieg Preußens zur
europäischen Großmacht (1740 - 1763)
Die Französische
Revolution bis zum Ende der Diktatur Robespierres (1789 - 1794)
Deutschland in der Zeit der
Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons (1789 - 1815)
Restauration und
Revolution (1815 - 1830)
Monarchie und Bürgertum (1830
- 1847)
Die Revolution von
1848/49
Von der gescheiterten
Revolution 1848 bis zur Gründung des Deutschen Reiches 1871
Die Innen- und Außenpolitik
Bismarcks (1871 - 1890)
Das Deutsche Kaiserreich
von 1890 bis zum Ausbruch der Ersten Weltkriegs 1914
Die Industrielle
Revolution in England und Deutschland (1780 - 1914)
Europäischer
Kolonialismus und Imperialismus (1520 - 1914)
Der Erste Weltkrieg (1914 -
1918)
Der Weg zur Weimarer
Republik 1918 - 1919
Der Kampf um die Staatsgewalt
in der Weimarer Republik (1919 - 1933)
Die Machtübernahme der NSDAP
und die Errichtung der Diktatur Hitlers (1933 - 1939)
Der Zweite Weltkrieg (1939
- 1945)
Der Weg in die Teilung
Deutschlands (1945 - 1949)
Der Kalte Krieg: Vom
Kriegsende 1945 bis zum Bau der Berliner Mauer 1961
Die Ära Adenauer (1949 -
1963)
Die Kanzlerschaft Ludwig
Erhards 1963 - 1966
Kalter Krieg Teil 2: Von
der Kubakrise 1962 bis zur Auflösung der Sowjetunion 1991
Die Zeit der Großen
Koalition 1966 - 1969
Die Ära Brandt (1969 - 1974)
Die Kanzlerschaft Helmut
Schmidts (1974 - 1982)
Die Kanzlerschaft Helmut
Kohls von 1982 bis 1987
Die Kanzlerschaft Helmut
Kohls von 1987 - 1989
Der Weg zur
Wiedervereinigung Deutschlands (Teil I: Die DDR von den siebziger Jahren
bis zum Fall der Mauer im Jahr 1989)
Vom Fall der Berliner
Mauer bis zur deutschen Einheit (1989 - 1990)
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Geschichte
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Reformation
bis 1520 Wormser Reichstag
1521 Württemberg
1520 - 1618
Köngen 1520 - 1618 (exemplarisch für ein Dorf)
Literaturhinweise
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Ausgangslage zu Beginn des 16.
Jahrhunderts
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- An der Spitze des Reiches stand
der König. Seine Gewalt verdankte er der Wahl der
Kurfürsten. Ihm gebührte gleichzeitig die höchste
Krone der Christenheit, die römische Kaiserkrone.
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- Die kaiserliche Macht war
durch die Reichsstände stark
eingeschränkt.
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- Seit dem Erlass
der Goldenen Bulle im Jahre
1356 stand den Kurfürsten
die Kaiserwahl zu. Dasselbe Gesetz
verlieh ihnen weitere Vorrechte:
Unteilbarkeit ihrer Länder, höchste
Gerichtsbarkeit, mehrere wichtige
Regalien wie z.B. Münze und
Bergwerk.
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Der rechtlichen Stellung der
Kurfürsten entsprach ihre
tatsächliche Macht. Jede neue
Kaiserwahl benutzten sie zum
Erwerb von Geld und neuen
Privilegien. Ihr wachsender
Einfluss vertrug sich schlecht
mit der kaiserlichen Oberhoheit.
Die Herrschergewalt der Kaiser
basierte lediglich auf ihrer
Hausmacht. Bei dem Gegensatz
der Interessen von Kaiser
und Fürsten war an eine
einheitliche Reichspolitik
nach außen nicht zu denken. |
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- Die weltlichen
und geistlichen Fürsten hatten
zwar weniger Einfluss als die
Kurfürsten, brachte jedoch ebenfalls
ihre Interessen auf den Reichstagen
vor.
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- An der Wende vom 15. zum
16. Jahrhundert trug Kaiser Maximilian
aus dem Hause Habsburg die deutsche Krone.
Seine Beschlüsse über die Einführung einer
Reichssteuer und die Einsetzung eines
'Reichsregiments' [Reichsregierung]
scheiterten weitgehend am Widerstand der
Reichsstände. Nur die Gründung eines
Reichskammergerichts und die Aufstellung
der 'Reichsmatrikel' (Verzeichnis der
Reichsstände mit der Angabe der Summen, die
sie für Reichszwecke zu zahlen hatten) waren
ein gewisser Fortschritt.
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- Bestreben des Papsttums,
durch Institutionen und Dogmen geistliche und auch
weltliche Herrschaft zu erlangen.
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Der Ruf nach
einer Erneuerung der Kirche aus ihr
selbst heraus hatte schon im frühen 15.
Jahrhundert zu dem Versuch geführt, die
monarchische Herrschaft des Papsttums durch
eine Aufwertung der auf den Konzilien
repräsentierten abendländischen Gesamtkirche zu
brechen. Am Ende des Jahrhunderts war dieser
Versuch vollständig gescheitert. |
- Schon während des Exils in
Avignon (1309-1377) hatte die Kurie ein weit
verzweigtes System von Taxen und Abgaben
eingerichtet, um ihren Finanzbedarf zu
befriedigen. Seit die Renaissancepäpste als
italienische Landesfürsten die Sicherung, den
inneren Ausbau und die Erweiterung des
Kirchenstaates in Italien betrieben, verschlangen
Kriege, Vetternwirtschaft, prunkvolle Hofhaltung und
Kulturbedürfnis Riesensummen.
- Deckung des Finanzbedarfs
durch hohe Steuern und Abgaben, Käuflichkeit von
Ämtern.
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- Besonders hohe Abgaben
musste der deutsche Klerus an die
Kurie zahlen. So mussten alle neu ernannten
Priester ein Jahreseinkommen (die
Annaten) abtreten. Neue Prälaten waren
zur Zahlung von hohen Geldbeträgen, sog.
Palliengeldern, verpflichtet.
'Dispensationsgelder' mussten diejenigen
zahlen, die vom kirchlichen Eheverbot
befreit sein wollten. Zahlreiche ähnliche
Abgaben kamen hinzu.
- Einziehung von
'Gnadengeldern', die - so die Kirche -
für die Erlangung des Seelenheils der
Menschen notwendig waren.
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Nicht nur Papst,
auch die Kardinäle, Bischöfe, Priester
und Mönche versuchten, neue
Einkommensquellen zu
erschließen. Ämter wurden gekauft,
Urteilssprüche in geistlichen Gerichten
höchstbietend verkauft, Gläubige bei der
Messe und Sakramenten zur Kasse gebeten
und dazu noch (kirchliche) Steuern
erhoben. Korruption und Fälschung von
Reliquien (die man teuer verkaufen
konnte waren an der Tagesordnung. Eine
der sichersten Einkommensquellen der
Kirche war der Ablasshandel:
Dem Gläubigen wurde erklärt, dass er
sich durch eine Geldzahlung von seinen
Sünden loskaufen könne. Die Höhe der
Ablässe richtete sich nach der Menge der
Jahre im Fegefeuer, die man sich
ersparen wollte. Auch die Sünden der
Verwandten konnte man freikaufen. |
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- Klagen über die Missstände in der Kirche
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- Klagen über die Missstände wurden
von allen deutschen Ständen und Gruppen in Wort und
Schrift vorgetragen.
- Seit 1456 wurde auf allen
Reichstagen das päpstliche Finanzverhalten
heftig kritisiert. Die Klagen der Fürsten richteten
sich auch gegen den Versuch der geistlichen
Gerichtsbarkeit, ihre Zuständigkeit auf weltliche
Angelegenheiten auszudehnen. Die von den
Reichsständen 1457 vorgebrachten "Gravamina
[Beschwerden] der deutschen Nation" waren
Ausdruck einer weit verbreiteten Empörung über die
Einflussnahme der Kirche und die von ihr
beanspruchten Privilegien.
- Klagen über die 'Unwissenheit'
und 'Unsittlichkeit' des hohen wie
niederen Klerus, gegen die Vermehrung der
kirchlichen Verwaltungsstellen, gegen Käuflichkeit
und Profitgier der päpstlichen Stellen sowie über
die Praktiken bei der Eintreibung der Forderungen.
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- Die Kirchenlehre und der Glaube der Menschen
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- Die Kirchenlehre war von
dem Dominikaner Thomas von Aquin (1225-1274)
und dem Franziskaner Wilhelm von Ockham
(1285-1349) geprägt worden.
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- Thomas von Aquin
hatte in einem hierarchisch angeordneten
Stufenaufbau allem "Seienden" einen Platz
zugeordnet. Alles stand mit allem in
Verbindung. An der Spitze der Pyramide stand
Gott. Da der Stufenaufbau nach den
Gesetzen der Logik aufgebaut war, konnte
er auch von der menschlichen Vernunft
erfasst werden. Die Vernunft des Menschen
reichte jedoch nicht aus, um in der kausalen
Kette bis zur ersten Ursache, der prima
causa, aufzusteigen. Nach Thomas von Aquin
verleiht Gott durch seine Gnade dem
Menschen die Fähigkeit, die Schranken der
Vernunft zu überwinden und in das
"himmlische Reich" zu gelangen. In diesem
System spielte der Mensch mit seinem
Heilsverlangen keine große Rolle. Es kam
vielmehr darauf an, dass jedes Leben seinen
Platz in dem hierarchischen System erkannte.
Nur dann war sichergestellt, dass sich die
Menschen Gott gegenüber wohlgefällig
verhalten. Wurde der zugewiesene Platz nicht
eingenommen, so zürnte Gott und brachte
Unheil wie zum Beispiel die Pest über die
Menschen. - Die Menschen befanden sich in
ständiger Angst, Gott nicht
wohlgefällig zu sein.
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Thomas von Aquin
(*1225, †1274), katholischer
Kirchenlehrer
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- Der in England geborene
Franziskaner Wilhelm von Ockham
hatte mit seiner Lehrmeinung eine Kluft
zwischen Mensch und Gott, Wissen und Glauben
aufgerissen. Für ihn war Gott der
Allmächtige, der vom Menschen nicht durch
die Vernunft sondern nur durch den
Glauben erfasst werden kann. Die einzige
Quelle für den Glauben ist für von
Ockham die Heilige Schrift, deren
Deutung allein der Kirche zukommt.
Gott ist bei allem seinem Tun an keinerlei
Ordnung der Vernunft oder der Moral
gebunden. Daher kann der Mensch auch nicht
sicher sein, ob ihm Gott Gnade für seine
Sünde gewährt hat. Der Mensch hat lediglich
die Fähigkeit, das Gute zu wollen und sich
durch Verdienste zum Empfang der göttlichen
Gnade würdig zu machen. Es herrschte also
nichts anderes als Gottes Wille und
Entscheidung. - Die Menschen fühlten sich an
die Sünde verloren und zitterten nach der
Erlösung vom Leid und der Gnade Gottes.
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- Ungestillt war das Bedürfnis
der meisten Menschen, sich in der Hand Gottes
geborgen fühlen zu können. Sie wollten sich - wie es
bei den Urchristen der Fall war - mit ihren Wünschen
und Sorgen direkt an Gott wenden können.
Dieser direkte Zugang war ihnen durch die
Institutionen der Kirche und das Dogmensystem
versperrt. So schlich sich langsam eine allgemeine
Unzufriedenheit mit dem päpstlichen System ein.
Welchen Umfang die Abneigung gegen Rom in den
vorreformatorischen Jahren angenommen hatte, zeigt
die Volksliteratur. - Es fehlte nur noch der
Vorkämpfer im Streit. Dieser sollte den
Deutschen in der Person Martin Luthers
erwachsen.
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Ausgangslage
Wormser Reichstag 1521
Literaturhinweise
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Die Reformation bis zum Jahre 1520
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- Luther berichtet über seine Herkunft:
"Ich bin eines Bauern Sohn. Mein Vater, Großvater, Ahnherr
sind rechte Bauern gewesen. ... Danach ist mein Vater gen
Mansfeld gezogen und daselbst ein Bergbauer [Bergmann]
geworden." Martin Luther wurde am 10. November 1483 in
Eisleben geboren. Nach dem Schulbesuch in Mansfeld,
Magdeburg und Eisenach studierte er in Erfurt Philosophie
(1501-1505). Danach nahm er, dem Wunsch seines Vaters
folgend, das Studium der Rechtswissenschaften auf.
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Martin Luther (*1483, †1546)
Kunstmuseum Basel
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- Martin Luther erkannte schon in jungen
Jahren, dass er nicht imstande war, immer so zu handeln, wie
er hinterher zu handeln gewünscht hätte. Mit anderen Worten:
Seine Lust, etwas zu tun oder zu denken, war stärker
als die Vernunft. Seine Erkenntnis, dadurch Sünden
zu begehen, ließ ihn verzweifeln. Zwar versprach die Kirche
nach getaner Buße und erfolgter Beichte die
Vergebung der begangenen Sünden, aber eben nur diejenigen
Sünden, die einem Vertreter der Kirche offenbart worden
waren. Luther war sich bewusst, dass er sich unmöglich an
alle "sündhaften" Taten und Gedanken erinnern konnte. Aus
diesem Grund, so glaubte er, könne er die Gnade
Gottes nicht erlangen. Er hatte ständig Angst, nicht im
Einklang mit den Vorstellungen Gottes zu leben, also Sünden
zu begehen. Einen Trost fand der junge Magister nur in der
Lehre von den guten Werken. Durch diese hoffte er
seine Sünden, die ihm selbst unbekannt geblieben waren,
wieder wettmachen zu können.
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Einen anderen Ausweg sah
Luther im Klosterleben. Um die Vergebung der
Sünden zu erlangen, war es im Kloster üblich, in Askese
zu leben und den Körper zu kasteien. So plante Luther,
Mönch zu werden. Allerlei äußere Zufälle hatten
ihn in seinem Vorhaben bestärkt, wie zum Beispiel das
Einschlagen eines Blitzes in seiner nächsten Nähe. Am
17. Juli 1505 führte er seinen Vorsatz aus, er trat in
das Kloster der Augustiner in Erfurt ein. Am 2. Mai 1507
erhielt er die Priesterweihe. Vom Prior erhielt er den
Auftrag, Theologie zu studieren. |
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- Auch die Bußübungen und die niederen
Dienste im Augustinerkloster konnten Luther nicht befriedigen.
Im Kloster legt er auch die Mönchsgelübde (Armut,
Keuschheit, Gehorsam) ab. geweiht. Sein
verlorenes seelisches Gleichgewicht fand er erst, als sein
Klosterbruder Johann von Staupitz (gest. 1524) ihn
darauf hinwies, dass die Buße, die Christus von seinen
Jüngern verlangt, nicht den äußeren Werken, sondern
in der Sinnesänderung und in der kindlichen
Hingabe an Gott bestehen. Auf die Empfehlung von
Staupitz wurde er 1508 von Friedrich III. dem Weisen
an die Universität in Wittenberg berufen. Im Oktober 1512
promovierte Luther zum Doktor der Theologie. Noch im
gleichen Jahr erhielt er den Lehrstuhl für Bibelkunde.
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Johann von Staupitz
(*um 1465, †1524) |
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Luther zweifelte zu
diesem Zeitpunkt nicht im mindesten an der Gültigkeit
der überkommenen Dogmen und Schulmeinungen. Er glaubte
an die Autorität der Kirche. Entscheidend für Luther,
der sich immer noch bemühte, wie er die 'Versöhnung mit
Gott' erlangen könne, wurde eine Stelle im Römerbrief.
Nach dem dort stehenden Text (1,17) ist 'Gottes
Gerechtigkeit' nicht die des zürnenden und
strafenden Gottes. Anders als im Weltbild des
Wilhelm von Ockham zeigt sich die Gerechtigkeit Gottes
als Gnade und Liebe. Sie kann durch
eigenes Wollen nicht erworben werden. Gott kann also den
Sünder gerecht machen; seine Gnade ist ein Geschenk an
diejenigen, die sich als Glaubende begreifen (sola
fide).
Die Entdeckung der Erlösung allein aus
der Gnade Gottes ist das 'Evangelium', der
Urquell von Luthers reformatorischer Verkündigung.
Von der neuen Konzeption der Gerechtigkeit Gottes her
lassen sich alle weiteren, fortschreitend revolutionär
wirkenden Konsequenzen Luthers erklären. Die Gnade
Gottes hatte jetzt gegenüber dem menschlichen Tun
unverbrüchliche Autorität. Jeder gläubige Mensch konnte
sich nun persönlich an Gott wenden! Alle
vermittelnden Funktionsträger verwandelten sich in
Störfaktoren und blockierten den Zugang zu Gott.
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- Der Beginn der Reformation
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- Papst Leo X. (amtierend
1513 bis 1521) brauchte zum Ausbau der Peterskirche
in Rom Geld. Unbedenklich, wie er in der Wahl seiner
Mittel war, benutzte er die kirchliche
Einrichtung des Ablasses.
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Papst Leo X.
(*1475, †1521), Papst von 1513 bis 1521 |
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Zur Vergebung der
Sünden gehörte nach der Kirchenlehre
dreierlei: die Reue, die Beichte und die
'Genugtuung durch Werke'. Letztere konnte in
einer wohltätigen Stiftung oder einfach in einer
Zahlung von Geld an die Kirche bestehen. Ihr
Recht zu einer solchen Handhabung des
Ablasses, der noch nach dem Tod des Sünders
wirksam sein sollte, leitete die Kirche aus dem
Besitz des "großen Schatzes der guten Werke"
her, den ihr die Heiligen und Märtyrer
erworben hätten. Was diese zuviel getan, konnte
anderen, die dessen bedurften, zugute kommen. -
Der Ablass sollte auch sündigen "abgeschiedenen
Seelen", den Toten, zugute kommen, die, dem
kirchlichen Dogma zufolge, in Fegfeuer und Hölle
gequält wurden. |
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Nebenbei bemerkt: Im Jahr 1513 erstellt der
deutsche Maler, Zeichner und Kunstschriftsteller
Albrecht Dürer (*1471, †1528) den
Kupferstich "Ritter, Tod und Teufel". Dürer
zählt zu den bedeutendsten und vielseitigsten
Künstlern der Zeit des Übergangs vom
Spätmittelalter zur Renaissance in Deutschland. |
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- In Deutschland hatte Albrecht
von Brandenburg (1490-1545), Erzbischof von
Mainz und Magdeburg sowie Bischof von Halberstadt,
den Ablasshandel übernommen. Den Besitz dieser drei
Bistümer hatte ihm der Papst für eine hohe Geldsumme
bestätigt. Um diese 'Palliengelder' bezahlen
zu können, hatte Albrecht beim Bankhaus der
Fugger eine Anleihe aufgenommen. Diese Schulden
durfte er aus dem Gewinn beim Ablasshandel abtragen.
Die Fugger waren an dem Gewinn prozentual beteiligt.
- Die Bevölkerung wurde in
Predigten zum Kauf der Ablassbriefe
aufgefordert. Für jede Sünde, für jedes Verbrechen
war ein bestimmter Geldbetrag vorgesehen, gegen
dessen Bezahlung man Absolution erhielt. Von Buße
und Beichte wurde so gut wie ganz abgesehen. Seit
dem Jahr 1517 hatte der Erzbischof das
Ablassgeschäft auf den Dominikaner Johann Tetzel
übertragen.
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Tetzel lehrte, so
schrieb Luther später, der Ablass wäre die
"Versöhnung zwischen Gott und den Menschen" und
auch dann wirksam, wenn der Mensch "weder Reue
noch Leid oder Buße täte." |
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- Kursachsen unter Friedrich dem
Weisen durfte Johann Tetzel nicht betreten.
Viele der Beichtkinder Luthers gingen in das nahe
Jüterbogk (im Magdeburgischen), um sich dort die
viel begehrten Ablassbriefe zu holen. Da sie dann
bei der Beichte einfach die erhaltenen Zettel
vorwiesen und jede andere Buße verweigerten, sah
sich Luther gezwungen, Stellung zu nehmen.
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- Die 95 Thesen, die Martin
Luther am 31. Oktober 1517, der
Legende nach, an die Tür
der Wittenberger Schlosskirche schlug, waren
lateinisch verfasst und sollten die
Grundlage für eine akademische Diskussion
bieten. Die Thesen waren gegen den
Missbrauch des Ablasses und die Missstände
des Ablasshandels gerichtet.
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Luther
hielt immer noch an der Kirchenlehre
und dem Brauch des Ablasses fest.
Nur den Missbrauch tadelte er,
die Anwendung des Ablasses auf
Verstorbene und das Außerachtlassen von
Buße und Beichte. |
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- Die Thesen wurden sofort
ins Deutsche übersetzt, sofort gedruckt und
als Einblattdrucke verteilt. Innerhalb von
14 Tagen waren sie in ganz Deutschland
verbreitet. Die Wirkungen der Thesen ging
weit über das hinaus, was der Verfasser
gewollt hatte. Luther hatte es gewagt, das
auszusprechen, was Tausende gleich ihm
dachten: der Abfall der Kirche von ihrer
eigentlichen Pflicht und der Missbrauch des
Ablasshandels. Das Volk stimmte
leidenschaftlich seinen Thesen zu. Dies
war der Anfang der Reformation!
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- Erste Anklagen der Kirche gegen Luther
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- Tetzel ließ die Thesen
Luthers nicht ohne Erwiderung. In seinen 106
Gegenthesen berief er sich auf die Lehre des
Thomas von Aquin und - als höchsten Richter -
auf den Papst.
Johannes Eck, der Vizekanzler der
Universität Ingolstadt, warf Luther Ketzerei vor. Da der Ablasshandel zurückging zeigte der Mainzer
Erzbischof Luther im Dezember 1517 bei der Kurie
in Rom an. Anfang 1518 folgte die Anzeige der
dominikanischen Inquisitoren. Ein Inquisitor aus
Köln drohte Luther unverhüllt mit dem
Scheiterhaufen.
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Papst Leo X.
hielt Luther zunächst für bedeutungslos und den
Streit für ein "Mönchsgezänk". Er gab die
Beschwerden an den Ordensmeister der Augustiner
weiter. |
- Im April 1518 sollte sich
Luther in Heidelberg vor dem Generalkapitel
der Augustiner-Eremiten verteidigen. Er vertrat
seine Lehren und den Grundsatz, dass der Mensch
allein aus dem Glauben gerecht werde. Seine
Vorgesetzten nahmen keine Stellung gegen ihn ein. Er
konnte sogar Johannes Brenz, den späteren
Reformator in Schwaben, und Martin Bucer für
sich gewinnen, der bald darauf als Reformator in
Straßburg, Ulm und Köln auftrat.
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Der Grundsatz
'Allein aus dem Glauben', mit dem er sich
schon lange beschäftigte und jetzt öffentlich
machte, war für die damalige Zeit etwas
Revolutionäres! Es bedeutet - in der Sprache
unserer Zeit - nichts anderes als das
persönliche Gewissen als Richtschnur zu
nehmen. Luther verwarf damit von Grund auf die
Lehrautorität der Kirche und setzte an
ihre Stelle den persönlichen Einblick,
den Glauben des Einzelnen an das Wort Gottes,
wie es in der Bibel steht.
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- Im Mai 1518 übersandte
Luther eine ausführliche Erklärung seiner Thesen an
Papst Leo X.. Darin heißt es: "Ich höre,
Allerheiligster Vater, dass ein gar böses Gericht
über mich gehe, daraus ich entnehme, dass etliche
Freunde meinen Namen vor Eurer Heiligkeit ...
stinkend gemacht haben: ich soll mich unterstanden
haben, die Schlüsselwürde und die Gewalt des
höchsten Bischofs zu verkleinern. ... aber der
einige Trost und Fels meiner Freudigkeit steht fest,
nämlich mein unschuldiges und ruhiges Gewissen.
... Die Prediger, in der Meinung, sie dürften unter
dem Schutz von Eurem Namen, wagten öffentlich
gottlose und ketzerische Lügen zu lehren, zu großem,
schweren Ärgernis, Hohn und Spott der kirchlichen
Obrigkeit. ... Widerrufen kann ich nicht,
und sehe doch, dass ich mir gewaltigen Neid und Hass
durch die Veröffentlichung [der Thesen] erweckt
habe."
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Luther glaubte zu
diesem Zeitpunkt immer noch, im Sinne des
Papstes zu handeln, der vom Ablassmissbrauch
nichts wisse. |
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- Noch im Juni
1518 ließ der Papst, wahrscheinlich auf eine
abermalige Anzeige der Dominikaner hin, den
Ketzerprozess gegen Luther eröffnen. An Luther
ging die Aufforderung, er solle sich binnen 60 Tagen
in Rom einfinden. Außerdem forderte im August
1518 der päpstliche Kardinallegat in
Deutschland, der Italiener Cajetan, dass
Luther ohne Verhör wegen „offenkundiger Ketzerei“
abgeurteilt werde. Unverzüglich wurde Luther als
Ketzer verurteilt. Kurfürst Friedrich der Weise
sollte ihn ausliefern.
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Friedrich III. (Sachsen),
auch Friedrich der Weise (*1463, †1525),
Kurfürst von Sachsen 1486 - 1525
Kupferstich von Albrecht
Dürer, entstanden 1519
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Das Erscheinen
Luthers vor dem geistlichen Gericht in Rom hätte
Verurteilung und Tod bedeutet.
Dies erkannte auch Luthers Landesherr Friedrich
der Weise. Der sächsische Kurfürst war damals
eine viel umworbene Persönlichkeit. Die
bevorstehende Wahl eines neuen Königs ließen der
Kurie ein gutes Verhältnis zum Kurfürsten
ratsam erscheinen. So drang Friedrich mit der
Forderung durch, dass sich Luther zunächst einem
Verhör in Deutschland stellen müsse. |
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- Das Verhör Luthers fand im
Herbst 1518 in Augsburg im Anschluss an den
Reichstag statt. Der Papst ließ sich durch
Kardinal Cajetan vertreten. Der Kardinal
verlangte von Luther einen unbedingten Widerruf.
Luther antwortete mit der Gegenforderung, ihn zu
widerlegen. Cajetan berief sich auf Thomas von
Aquin und den Standpunkt des Papstes , Luther
auf die Bibel, deren Autorität über der des
Thomas und der Päpste stehe. Eine Einigung kam nicht
zustande. Das Verlangen Cajetans, Friedrich der
Weise solle Luther jetzt ausliefern, wies der
Kurfürst zurück. Die Fronten verhärten sich weiter
und Luther kehrt nach Wittenberg zurück.
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Luther war wieder
einen Schritt weitergegangen. Zu dem Grundsatz,
dass alle Rechtfertigung vor Gott nur im
Glauben liegt, kam nun das Prinzip, dass die
Bibel die alleinige Erkenntnisquelle ist. |
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- Im Januar 1519 kam auf
Schloss Altenburg eine Absprache zwischen dem
päpstlichen Hofbeamten Karl von Miltiz und
Luther zustande: Luther wollte künftig schweigen,
falls seine Gegner schwiegen. Doch seine Gegner
schwiegen nicht.
- Im Frühjahr 1519 forderte
Andreas Bodenstein von Karlstadt, Dekan
der Wittenberger theologischen Fakultät und Anhänger
Luther den Ingolstädter Theologen Johannes Eck
zum Streitgespräch über die Grundsätze von
'Gnade und freiem Willen' heraus. Am 27. Juni begann
diese 'Disputation zu Leipzig'. Eck hätte
gern Luther hineingezogen. Tatsächlich griff dieser
am 4. Juli ein als sich Karlstadt seinem Gegner
nicht gewachsen zeigte. Durch geschicktes Taktieren
konnte Eck Luther zu Urteilen über die auf dem
Konstanzer Konzil verworfenen Glaubensätze von
Johannes Hus provozieren, so dass Luther wegen
Häresie (Ketzerei) angeklagt werden konnte.
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- Luther hatte erklärt,
unter den in Konstanz verdammten
hussitischen Sätzen seien "manche gut
christlich gewesen". Die Folgerung daraus
war: wenn Johannes Hus recht gehabt hatte,
aber trotzdem vom Konzil verurteilt worden
war, so konnten auch allgemein Konzilien
irren.
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- Am 13. Juli wurde die
Leipziger Disputation für beendet erklärt.
In der veröffentlichten Disputationsschrift
war nachzulesen, dass Luther sowohl dem
Papst als auch dem Konzil die höchste
Autorität in Glaubensdingen absprach und
überdies nicht alle Thesen des Jan Hus als
ketzerisch erachtete. Die Leipziger
Disputation ist ein entscheidender
Wendepunkt in der Geschichte der Reformation.
Die Unversöhnlichkeit der altkirchlichen
Anschauung mit der Stellungnahme Luthers war
offen zum Ausdruck gekommen.
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Nebenbei bemerkt: Im Jahr 1519
tritt der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan
(*1480, †1521) im Dienste Spaniens mit fünf Schiffen von
Sevilla aus seine Erdumsegelung an. Auf seiner
Erkundungsfahrt findet er zwischen dem
südamerikanischen Festland und der Insel Feuerland eine
Verbindung zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen
Ozean (heute: Magellanstraße) und eröffnet damit einen
Westweg zu den wirtschaftlich bedeutenden Gewürzinseln
(Molukken). Magellan beweist, dass die Erde eine
Kugelgestalt hat und umsegelt werden kann. Er wird 1521
auf den Philippinen erschlagen. Das letzte noch
verbliebene Schiff unter dem Kapitän del Cano umrundet
das Kap der guten Hoffnung und kehrt 1522 nach Spanien
zurück.
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- Die Wahl eines neuen Kaisers
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- Auf dem Augsburger Reichstag
im Herbst 1518 hatte Kaiser Maximilian I.
vier der sieben Kurfürsten dafür gewonnen, seinen in
Spanien regierenden Sohn Karl zu seinem Nachfolger
zu wählen. Als Maximilian im Januar 1519 starb,
hatte die Wahl noch nicht stattgefunden. Da die
ausgehandelten 'Wahlgelder' aus Spanien nicht
ausbezahlt waren, hielten sie sich an ihr
Versprechen nicht mehr gebunden und verhandelten mit
dem französischen König Franz I.
- Papst Leo X. hätte am
liebsten Friedrich den Weisen auf dem
deutschen Thron (und dem Kaiserthron) gesehen. Doch
lehnte der sächsische Kurfürst den Titel ab, da
seiner Ansicht nach seine Hausmacht nicht groß genug
war. Danach begünstigte der Papst den französischen
König. Hintergrund der Bevorzugung Franz I. war,
dass bei einer Wahl von Karl Deutschland,
Oberitalien sowie Neapel und Sizilien in eine Hand
kommen und eine Gefahr für den Kirchenstaat bedeuten
würde. - Aber Karl wurde zum König und Kaiser
gewählt. Den Ausschlag hatte Friedrich der Weise
gegeben.
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- Humanismus und Reformation
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- Der von Italien im 14. und 15.
Jahrhundert ausgehende Humanismus war eine
kulturelle Strömung, welche die Würde und den
Wert des Individuums betonte. An die Stelle
des rein Kirchlichen wurde das allgemein Menschliche
gesetzt. Der Humanismus stand von Anfang an in einem
natürlichen - wenn auch unbewussten - Gegensatz zur
Kirche. Das Sammeln und Übersetzen von antiken
Manuskripten mündete in einen kritischen Vergleich
der bestehende Zustände mit jenen des Altertums.
- In Deutschland stieß der
Humanismus auf ein Unterrichtswesen, das ganz in den
alten kirchlichen Traditionen befangen war. Zu
denjenigen Humanisten, die ihre Stellung nicht
unter, sondern selbständig neben der
offiziellen Theologie einnahmen, gehörten vor allem
Johannes Reuchlin (1455-1522) und Erasmus
von Rotterdam (1467-1536).
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Der Streit, in
den Johannes Reuchlin mit den Kölner
Dominikanern geriet, fand seinen Niederschlag in
der großartigen Satire 'epistolae obscurum
virorum', in der er vehement die "krasse
Unwissenheit", die "schnöde Fleischeslust" und
den "hohlen Hochmut" der Mönche geißelte.
Erasmus von Rotterdam griff die Kirche nicht
direkt an. Er hoffte darauf, die Kirche auf der
Grundlage des Humanismus reformieren zu können.
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- In der Auseinandersetzung, die
nach der 'Leipziger Disputation' in
Deutschland ausbrach, blieb Luther nicht allein.
Alles was Rom feindlich gesinnt war, stand auf
seiner Seite. So verband sich die nationale
Opposition und der junge Humanismus mit
der Sache der Reformation. Wortführer der nationalen
Opposition war Ulrich von Hutten. Seine
Schrift "Vadiscus" war mit kaum zu
überbietender Heftigkeit gegen das päpstliche
Finanzwesen, die Ausbeutung der Deutschen und das
"Treiben der kurialen Günstlinge und Prälaten"
gerichtet. Der junge Humanist Philipp Melanchthon
(1497-1560) war 1518 als Professor nach Wittenberg
gekommen und Luthers Freund geworden. Er verfocht
das Programm einer humanistischen Theologie und
Erziehung.
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Philipp
Melanchthon (1497-1560)
Aus einem Holzschnitt von
Albrecht Dürer, 1526. Nürnberg, Germanisches
Nationalmuseum.
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Wo Luther auf die Wucht seiner
persönlichen Überzeugung setzte und damit, oft lustvoll,
aneckte, ging Melanchthon ging diplomatisch vor. Sein
öffentliches Auftreten waren überzeugend, seine
theologischen Schriften wurden zum Rückgrat der
reformatorischen Bewegung. Philipp Melanchthon war die
entscheidende Figur bei den unzähligen Treffen,
Kongressen und Reichstagen, auf denen um Kompromisse
zwischen Vertretern der päpstlichen Linie und der neuen
evangelischen Bewegung genauso wie zwischen den
Protestanten untereinander gerungen wurde. |
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- Luthers große Reformationsschriften
des Jahres 1520
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- "Sendschreiben an den
christlichen Adel deutscher Nation von des
christlichen Standes Besserung"
(August 1520)
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Luthers Reformvorschläge hielten sich nicht
mehr an die rein theologische Basis. Sie
zielten jetzt auf eine radikale
Neuordnung der Kirchenverfassung, die
zugleich Kernstück einer politischen
Reform
sein sollte.
- Luther
griff in seiner Schrift drei Grundsätze
der Kurie an: 1. Überlegenheit der
geistlichen über die weltliche Macht 2.
Alleiniges Recht der Kirche, die Bibel
auszulegen 3. Alleiniges Recht des Papstes,
ein Konzil zu berufen und zu bestätigen. Er
fordert die Einberufung einer allgemeinen
Kirchenversammlung, auf der folgende
Punkte behandelt werden sollten: Annaten,
das Investiturrecht, die weltliche Macht des
Papstes, ferner Wallfahrten, Zölibat,
Fasten, geistliche Strafen. - Luther
beschränkt sich keinesfalls auf das
geistliche Gebiet, sondern tritt als
Wortführer der Nation auf.
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Gegenüber der Behauptung von der
Überlegenheit des geistlichen Standes
verfocht Luther
"das allgemeine Priestertum" aller
Christen, für die ohne Unterschied
Christus gestorben ist. Der Satz von der
Unfehlbarkeit der Kirche und des
Papstes wird, so Luther, im Leben zu
oft widerlegt. Wenn er richtig wäre,
müsste es im apostolischen
Glaubensbekenntnis heißen: 'Ich glaube
an den Papst in Rom' statt 'Ich glaube
an eine heilige allgemeine Kirche'. Dass
der Papst nicht das alleinige Recht zur
Einberufung eines Konzils habe, zeige
zum Beispiel das Konzil von Nicäa, das
von Kaiser Konstantin einberufen wurde. |
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- "Über die
Babylonische Gefangenschaft der Kirche"
(Oktober 1520)
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In dieser in Latein abgefassten
Schrift befasst sich Luther mit den
Sakramenten, den Grundlagen des
katholischen Dogmas. Von den sieben
Sakramenten lässt er nur drei
bestehen: Taufe, Abendmahl und Buße.
Das Abendmahl fasst er nicht im
Sinne des römischen Messopfers auf,
sondern als eine geheimnisvolle
Vereinigung der Gläubigen mit
Christus, zerstört also dadurch die
Mittlerrolle des Priesters
zwischen Gott und den Menschen.
-
Luther überprüfte die Herkunft
der Sakramente
aus der Bibel. Nach der Bibel ist
lediglich Christus der Mittler
zwischen Gott und den Menschen. Die
Kirche hat, so Luther, "die Kraft
und die Heilswirkung von Christus an
sich gezogen" und an die sachliche
Gestalt der sieben Sakramente
geknüpft. Nach der Auffassung der
Kirche sollte die Anwendung der
Sakramente, so bei der letzten
Ölung, wirksam und 'heilvoll' sein.
Luther war der Meinung, dass auf
diese Weise Sünden nicht vergeben
werden könnten. Hinsichtlich der
Firmung, des Ehesakraments und der
Priesterweihe tadelte er, dass sich
die Kirche eine
"Verfügungsgewalt" angemaßt
habe.
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Diese dritte große
Reformationsschrift enthielt Luthers
Grundlegung christlichen Verhaltens
nach den aus der Bibel (Kor. 1,9)
gewonnenen Sätzen: "Ein
Christenmensch ist innerlich
und seinem Glauben zufolge ein
freier Herr über alle Dinge und
niemanden untertan" und "Ein
Christenmensch ist äußerlich
und in seinen Werken ein dienstbarer
Knecht aller Dinge und jedermann
untertan", d.h. er übt tätige
Nächstenliebe, fügt sich auch den
bestehenden Ordnungen, sofern sie
ihn nicht zum Abfall von Christus
zwingen.
-
Luther ging es um die Ansprüche der
religiösen Gewissensfreiheit
gegenüber allen weltlichen
Forderungen. Sein Eintreten für die
Freiheit ist
nicht sozialrevolutionär,
sondern theologisch gemeint. Die
Freiheit, die Luther meint, ist die
Freiheit des Gewissens, das
sich in Gott gebunden und darum
den Ansprüchen aller anderen
Mächte enthoben weiß.
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- Die Reaktionen der Kirche
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- Während sich
Luther mit der Verbreitung und Vertiefung seiner
Anschauungen beschäftigte, blieben auch seine Gegner
nicht untätig. Die 'Leipziger Disputation'
hatte Johannes Eck die Waffen in die Hand gegeben,
Luther in Rom als Ketzer anzugreifen. Er benutzte
diese Gelegenheit.
- Am 26.
Juni 1520 wurden 71 Sätze aus Luthers Schriften
als ketzerisch erklärt. Luther wurde eine Frist von
60 Tagen zum Widerruf gegeben, andernfalls sollte er
dem Bannfluch verfallen. Die Veröffentlichung der
Bulle wurde Eck übertragen.
- Am 15. Juli
1520
erlässt Papst
Leo X. die Bulle 'Exsurge
Domine', in welcher Luther der
Kirchenbann angedroht wurde. Gleichzeitig ordnet der
Papst die Verbrennung aller Schriften Luthers an und
mahnt ihn ein letztes Mal, in den Schoß der Kirche
zurückzukehren.
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Am
3. Oktober gelangte sie an die Wittenberger
Universität. Eine Woche später schrieb Luther an
seinen Freund Spalatin einen Brief, aus
dem seine völlige Abkehr von der bestehenden
Kirche entnommen werden kann.. In dem Brief
heißt es: "Ich verachte sie und bin schon dabei
sie [die Bulle] anzugreifen und als eine
gottlose und lügnerische und ganz und gar
Eckische Bulle. In ihr wird, wie du siehst,
Christus selbst verdammt, und keine Ursache wird
gegeben". Im August 1520 hatte Luther
bereits das "Sendschreiben an den
christlichen Adel deutscher Nation von des
christlichen Standes Besserung"
(siehe oben)
verfasst. In deutsch und nicht in Latein, was
allein schon einer Revolution gleichkam.
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- Am 10. Dezember
1520
verbrannte Luther die Bulle feierlich vor dem
Elstertor in Wittenberg. Begleitet war er von
zahlreichen Hochschullehrern und Studenten. Ein
großer Teil der Einwohner Wittenbergs sah dem
Vorgang zu. Wenige Wochen später, im Januar 1521,
wurde der Kirchenbann über Luther verhängt.
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Mit dem
Kirchenbann wurde damals eine Entscheidung
über Leben und Tod gefällt. Sollte für Luther
überhaupt eine Aussicht bestehen, gegen die
Macht der römischen Kirche anzukommen, dann
musste er die weltliche Herrschaft für
sich gewinnen. Die Chancen seines Kampfes waren
umso günstiger, je heftiger er ihn führte, je
stärker er die Öffentlichkeit mobilisierte, je
grundsätzlicher seine Angriffe wurden, je mehr
er außerreligiöse, politische Gesichtspunkte
aufgriff. Dies tat Luther mit seinen Schriften! |
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- Kaiser Karl V. und die Reichsstände
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- Der Kirchenbann brachte
Luther noch mehr Anhänger. Neun Zehntel Deutschlands
- so musste selbst der päpstliche Legat Aleander
zugeben - war lutherisch gesinnt. Das ganze Volk
verlangte ein Konzil. Allen drängte sich die Frage
auf: Reformation oder Revolution? Man
erwartete die Lösung von Karl V.
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Karl V. ,
deutscher Kaiser 1519-1556, geb. 1500, gest.
1558
Ville de Genève, Bibliothèque
publique et universitaire, Genf
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- Am 23.
Oktober 1520 wird Karl im Kaiserdom zu
Aachen vom Kölner Erzbischof Hermann V. von Wied zum
"Erwählten Kaiser" des "Heiligen
Römischen Reiches deutscher Nation" gekrönt. In Aachen
unterzeichnete er auch die 'Wahlkapitulation',
mit der er eine Reihe wichtiger Verpflichtungen
einging. Er sollte die Kirche und den Papst
schützen, die Reichsgesetze "nach dem Rate der
Kurfürsten" erweitern, alle Ämter mit Deutschen
besetzen und niemanden ohne ordentliches Verfahren
die Reichsacht erklären. Kaiser Karl V. stimmte auch
zu, zur Regelung der Angelegenheiten des Reiches ein
'Reichsregiment' [eine Reichsregierung]
einzusetzen. - Man sieht, die Kurfürsten hatten sich
Vorrechte in weitestem Umfang gesichert.
- In kirchlichen Angelegenheiten
war Karl V. ganz im Sinne der katholischen
Orthodoxie erzogen. An eine Abweichung von den
Kirchenlehren oder der Verfassung der Kirche war
daher bei ihm nicht zu denken.
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Am 24. Februar 1530 wurde
Karl V. in Bologna durch Papst Clemens VII. zum
Kaiser gekrönt. Dies war die erste Kaiserkrönung
seit der päpstlichen Bestätigung Friedrichs III.
fast 100 Jahre zuvor und zugleich die letzte in
der Geschichte des Heiligen Römischen Reichs.
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Ausgangslage
Reformation bis 1520
Literaturhinweise
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Der Wormser Reichstag 1521
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- Kaiser Karl V. hatte auf dem Reichstag in
Worms sowohl politische als auch kirchliche
Aufgaben zu lösen.
- Die inneren Verhältnisse des Reiches,
die dringend einer Reform bedurften, wurden vom Kaiser kaum
ins Auge gefasst. Statt einer nationalen Politik
verfolgte er nur eine habsburgische Hausmachtspolitik:
die Sicherung und Erweiterung des europäischen
Länderbesitzes seiner Familie hauptsächlich gegenüber
Frankreich schien ihm die wichtigste Aufgabe seiner
Regierung zu sein.
- Die Reichsstände verlangten von
Kaiser Karl V. die endgültige Zustimmung für die
Errichtung eines 'Reichsregiments' [Reichsregierung].
Obwohl der Kaiser in der 'Wahlkapitulation' bereits
zugestimmt hatte, stießen die unterschiedlichen Interessen
auf dem Reichstag nochmals zusammen. Während der Kaiser eine
monarchische Ordnung der Regierung wünschte, suchten
die Reichsstände ihren bisherigen Freiheitsspielraum zu
wahren.
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Es kam zu einem
Kompromiss. Da Karl V. für seine auswärtigen
Unternehmungen das Geld und die Truppen der Reichsstände
brauchte, bewilligte er schließlich die Errichtung
eines Reichsregiments in Nürnberg. Von den
Mitgliedern des Regiments sollten zwanzig von den
Ständen, zwei vom Kaiser ernannt werden. Allerdings
sollte das Reichsregiment nur in Karls Abwesenheit tätig
werden können und auch dann bei allen wichtigen
Beschlüssen die Zustimmung des Kaisers einholen. Das
wieder hergestellte Reichskammergericht wurde
ebenfalls nach Nürnberg verlegt. |
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- Vorgänge und Beschlüsse "in der Sache Luther"
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- Ein Bannspruch des Papstes
hatte immer auch die kaiserliche Achterklärung
nach sich gezogen. So hielt es Karl V.
nur noch für seine Aufgabe, das Urteil zu
vollstrecken. Da die Reichsstände lutherisch oder
reformfreundlich waren, konnte davon jedoch keine
Rede sein! Als der päpstliche Legat Aleander
die Verhängung der Reichsacht über Luther forderte,
wurde sein Antrag abgelehnt. Auch als der Kaiser
ein Edikt vorlegte, das Luthers Verhaftung und
die Verbrennung seiner Schriften anordnete, war die
Antwort der Stände im Wesentlichen ablehnend.
Schließlich beschloss der Reichstag, Luther
vorzuladen und ihn zu fragen, ob er auf seinen
Lehren beharre. Am 6. März 1521 gab Karl V. dem Druck
der Stände nach: Luther wurde unter Zusicherung des
freien Geleits vorgeladen.
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Im Falle, dass
Luther auf seinen Lehren beharrt, wollte der
Reichstag dem kaiserliche Edikt zustimmen.
Widerrufe er, so heißt es in dem Beschluss des
Reichstags, so "müsse man sich im übrigen billig
gegen ihn bezeigen und ihn weiter hören".
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- Luthers Gegner hofften, er werde,
abgeschreckt durch das Schicksal von Johannes Hus,
nicht auf dem Reichstag erscheinen und sich somit
schuldig machen. Aber Luther sagte zu, dass er
kommen werde. Später schreibt er: "Und wenn so viel
Teufel in Worms wären, als Ziegeln auf den Dächern,
ich wollte doch wohl hineinkommen". Am 16. April
1521 zog Luther in Worms ein. Noch während er
unterwegs war, hatte der päpstliche Legat
Aleander das Verbot seiner Schriften
durchgesetzt.
- Johann von Eck, der
Beauftragte des Bischofs von Trier [nicht der
Ingolstädter Theologieprofessor Johannes Eck],
fragte Luther am 17. April: "Bekennst Du Dich
zu Deinen Büchern? Willst Du sie widerrufen oder
nicht?". Luther erbat sich 24 Stunden Bedenkzeit.
Sie wurde ihm gewährt.
- Am nächsten Tag, den 18. April,
stellte von Eck die Frage etwas anders: "Willst Du
Deine Bücher alle verteidigen oder etwas davon
widerrufen?" In seiner Antwort teilte Luther seine
Schriften in drei Klassen ein. Die Lehrbücher
könne er nicht widerrufen, da sie auf der Bibel
beruhten. Nähme er sie zurück, so müsste er geradezu
die Wahrheit widerrufen. Die zweite Klasse seiner
Schriften richte sich gegen das Papsttum und
seine Missbräuche. Da sei doch offenbar, dass vor
allem Deutschland von den Päpsten auf betrügerische
und hinterlistige Weise ausgeplündert worden sei.
Ein Widerruf würde die Tyrannei nur kräftigen. In
den Streitschriften gegen Privatpersonen
bekenne er, manchmal etwas zu heftig gewesen zu
sein, aber zurücknehmen könne er auch davon nichts.
Er wolle nicht behaupten, dass er nicht irren könne,
aber er müsse verlangen, erst widerlegt zu werden,
wenn er widerrufen solle.
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Johann von Eck
forderte Luther noch einmal auf, eine
"schlichte und ungehörnte" Antwort zu geben.
Daraufhin Luthers Schlussworte: " ... so
will ich eine Antwort ohne Hörner und Zähne
geben diesermaßen: Es sei denn, dass ich durch
Zeugnisse der [Heiligen] Schrift oder
einleuchtende Gründe überwunden werde, - denn
ich glaube weder dem Papst noch den Konzilien
allein, dieweil es am Tag ist, dass sie
öfters geirrt und sich selbst widersprochen
haben -, so bin ich überwunden durch die
heiligen Schriften, [welche] von mir angeführt
[worden sind], und mein Gewissen ist gefangen in
Gottes Wort. Derhalben kann und will ich
nichts widerrufen, dieweil wider das
Gewissen zu handeln beschwerlich, unheilsam und
gefährlich ist. Ich kann nicht anders. Hier
stehe ich. Gott helfe mir! Amen!" |
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- Schon am folgenden Tag legte der
Kaiser dem Reichstag den Entwurf einer Achterklärung
gegen Luther vor. Er drang damit nicht durch. Noch
einmal wurden Verhandlungen mit Luther begonnen, die
von einer Reichskommission geführt wurde. Man
kam Luther entgegen. Es wurde nur noch die
Anerkennung des Konstanzer Konzils gefordert.
Schließlich wurde lediglich die Unterwerfung
durch ein künftiges Konzil verlangt. Auch das
lehnte Luther ab.
- Wieder einen Tag später, also am
20. April, erklärte Karl V. den Reichsständen, dass
er entschlossen sei, gegen Luther "als einen
wahren und überführten Ketzer zu verfahren".
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Da die
Reichsstände wegen der Volksstimmung nicht für
ein hartes Vorgehen gegen Luther zu haben waren,
wartete Karl V. bis zum vorletzten Tag des
Reichstags, als er ihre Zustimmung zu den
finanziellen und politischen Angelegenheiten
nicht mehr benötigte. Am 25. Mai 1521
unterzeichnete er das von päpstlichen Nuntius
Aleander abgefasste "Wormser Edikt". In
diesem Edikt wurde über Luther die Reichsacht
ausgesprochen, die sozusagen vogelfrei machte
und jedermann einlud, ihn nach Belieben
totzuschlagen. |
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- Am 26. April musste Luther auf
Verlangen des Kaisers Worms verlassen. Er kam nicht
bis Wittenberg. Unterwegs wurde er überfallen und
gefangen genommen. Doch die Ritter, denen er folgen
musste, waren von Kurfürst Friedrich dem Weisen
ausgeschickt worden, ihn zu retten. Sie führten
ihn auf die Wartburg, wo er als 'Junker
Jörg' für einige Zeit bleiben sollte.
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Ausgangslage
Reformation bis 1520
Wormser Reichstag 1521
Württemberg 1520 - 1618
Köngen 1520 - 1618 (exemplarisch für ein Dorf)
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Literaturhinweise
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|
| Brecht, Martin |
Martin Luther. 1987 |
| Brieger, Theodor |
Die Reformation: Ein
Stück aus Deutschlands Weltgeschichte. 1914 |
| Friedenthal, Richard |
Luther: Sein Leben und
seine Zeit. 1867 |
| Lamparter, Helmut |
Martin Luther. 1980 |
| Leppin, Volker |
Martin Luther. 1980 |
| Lortz, Joseph |
Die Reformation in
Deutschland. 1982 |
| Lutz, Heinrich |
Reformation und
Gegenreformation. Oldenbourg Grundriss der Geschichte.
2002 |
| Mörke, Olaf |
Die Reformation.
Voraussetzung und Durchsetzung. Enzyklopädie Deutscher
Geschichte, Band 74. Oldenbourg 2005 |
| Obermann, Heiko A. |
Werten und Wertung der
Reformation. 1989 |
| Zur Mühlen, Karl Heinz |
Reformation und
Gegenreformation. 1989 |
|
|
| Als
sinnvolle Ergänzung zu unserer eigenen Darstellung der
Reformation empfehlen wir die Seite
www.martin-luther2017.de aus der Heimat Martin Luthers,
dem Mansfelder Land. Außer vielen Daten und Bildern aus dem
Leben Martin Luthers erhalten Sie die Möglichkeit, sich über die
Gespräche, die im Rahmen der 'Reformationsdekade 2008 bis 2017'
zu dem Thema 'Erneuerung von Kirche, Gesellschaft und Kultur'
stattfinden, zu orientieren und sich selbst daran zu beteiligen. |
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Stand: 18.11.2011 Copyright © 2011 Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V.
Autor: Dieter Griesshaber |
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